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In ihrer Rolle als Haushälterin Anna hat sich Anita Kupsch an der Hausbar bedient, als die Herrschaften überraschend aus dem Urlaub zurückkommen. Marc Camolettis Komödie „Die Perle Anna“ feiert heute Premiere in Münchens Komödie im Bayerischen Hof.

Flitzpiepe und zarter Puck

München- Anita Kupsch blickt auf eine beachtliche Schauspielkarriere – jetzt ist sie die „Perle Anna“ in Münchens Komödie.

Mit elf Jahren zur legendären Tatjana Gsovsky in die Ballettschule, mit sechzehn von dem bekannten Humoristen Ludwig Manfred Lommel fürs Kabarett entdeckt, mit achtzehn von der Regie-Größe Peter Beauvais zum Vorsprechen für die Ufa-Schauspielschule bestellt – die weitere Karriere der Berlinerin Anita Kupsch, Jahrgang 1940, zwischen Fernsehen (dort „Praxis Bülowbogen“, ihre Sitcom „Anitas Welt“) und Theater ist bekannt.

In der Münchner Komödie im Bayerischen Hof war sie zuletzt 2011 zu sehen: als hinreißende Spätlese-Julia in Alfonso Pasos 60plus-Knüller „Geschichten von Mama & Papa“. Am selben Haus mischt sie jetzt als „Die Perle Anna“ in Marc Camolettis gleichnamiger Komödie (Regie/Bühne: Marcus Ganser) zwei Paare auf und – voraussehbar lachmuskelmäßig – auch das Publikum.

Wer ist Anita Kupsch?, fragt man sich nach dem Gespräch, als sie, umflattert vom schwarz-weiß-gestreifen luftigen Sommerkleid, mit ihrem Ehemann davontrippelt. Von der Bühne her kennt man sie als die trocken wortschnelle Berliner „Flitzpiepe“, der man durchaus den Kampfsport Karate zutraut. Privat wirkt sie eher wie ein altersloser zarter Puck. „Ich heule leicht“, gesteht sie, „habe Angst vor Hunden, auch vor Menschen, die ich nicht einschätzen kann – aber nicht vor einer Rolle. Und nie Lampenfieber.“ Wenn man sein Metier beherrsche, dann kenne man keine Angst, falle auch nicht in eine Depression: „Es gibt so viele junge Schauspieler, die depressiv werden. Und dann sage ich: Lerne doch mal den Beruf. Lerne sprechen. Dann gewinnst du mehr Selbstbewusstsein. Vielleicht kriegt man ja auch ohne Technik dann und wann eine Rolle. Aber davon kann man nicht das ganze Jahr leben – und eine Familie nicht von drei Filmrollen ernähren.“ Kupsch bedauert zudem, dass angehende Schauspieler heute nicht mehr wüssten, wer Helmut Käutner war oder Sarah Bernhardt.

In puncto Schulung hatte die junge Anita Kupsch aber auch Glück, heißt: die richtigen Lehrer und Kollegen. „Tatjana Gsovsky, bei der damals auch Konstanze Vernon und Cordula Trantow studierten, war toll. Streng! Disziplin hat man bei ihr gelernt. Kranksein gab es bei ihr nicht. Und bei Fehlern kriegte man eins mit dem Stock auf den Hintern.“ Den Berufswunsch Ballerina musste sie nach Sturz und Meniskus-Operation aufgeben. Aber schon mit sechzehn trat sie in Berlin zusammen mit Ludwig Manfred Lommel in dessen Sketchen „Paul und Pauline“ auf. „Für fünf Mark am Abend!“, erinnert sie sich.

1960 wurde sie ans Berliner Renaissance-Theater engagiert, wo sie in Sacha Guitrys Komödie „Mein Vater hatte recht“ („Mon père avait raison“, 1936) zusammen mit O. E. Hasse spielt: „Das war ein Traumpartner. Ich habe ihm aus der Seitengasse zugucken müssen. Er hat mir dann immer Zeichen gegeben, wann die Pointe abgeschossen wird. Das habe ich wirklich von ihm gelernt.“ Hasse, der sie als Ziehtochter adoptierte, nannte sie „Krawutschke“, weil sie „so polnisch“ aussehe. Und „O. E.“, wie sie ihn nennt, schleppte sie zu Vernissagen und anderen kulturellen Veranstaltungen. „Da wurde ich – von nischt ne Ahnung – ja erst mal erwachsen“, lacht sie ihr Puck-Lachen. Später spielte sie unter Käutners Regie, hatte berühmte Kollegen wie Theo Lingen, Victor de Kowa, Harald Juhnke, Rudolf Platte, alles „Herren, wie es sie heute nicht mehr gibt“. Aus dieser Zeit kann sie 1001 Anekdoten erzählen. „In Rudolf Platte war ich total verliebt. Einmal, bei einem Spaziergang am Rhein, kam eine schöne Frau mit langen schwarzen Haaren vorbei. Rudi drehte sich dreimal nach ihr um. Und ich, eifersüchtig: ,Die gefällt dir wohl?‘ Und er: ,Weßde Nitchen, blond ist für mich wie Glatze.‘ Damit war die Verliebtheit vorbei.“

Und wie sieht ihre berufliche Situation heute aus? „Natürlich reduzieren sich die TV-Rollen. Aber ich weine dem nicht nach. Ich habe ja zwischendurch immer Theater gespielt. Und Theater ist eigentlich auch mein Weg. Ich muss mit dem Publikum spielen können.“ Dazu gibt dieser Camoletti von heute Abend an Gelegenheit: Die Herrschaft von Haushälterin Anna kommt unerwartet früh aus dem Urlaub zurück, allerdings mit jeweils anderem Partner. Und nun verhindert Perle Anna die familiäre Katastrophe. „Aber nur, weil ich mich in Abwesenheit von Monsieur und Madame an der Hausbar schon intensiv bedient habe. Natürlich merke ich, was die vier vorhaben. Aber da alle immer die Türen verwechseln und ich, schon ziemlich einen im Tee, sie wieder schließe, kommt es nicht zu Außerehelichem“, verrät Kupsch bereits vor der Premiere – und dass man akrobatische Situationskomik satt erwarten darf. Fit ist die Schauspielerin auf jeden Fall – und bis 2015 voll ausgebucht. Nach München spielt sie die „Perle“ in Essen, danach die Alte in „Golden Girls“ in Düsseldorf und Frankfurt. Es folgen André Roussins „Die Lokomotive“ in Berlin und Florian Battermanns „Pretty Girl“ auf Tournee. Und ihr Mann? „Der freut sich und kommt mit“, schießt Kupsch eine private Pointe ab.

Malve Gradinger

Premiere

heute, weitere Vorstellungen bis 14. September; Telefon 089/ 29 16 16 33.

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