Flotter "Dreier" in Halle 7

- Immer auf der druckfrischen Spur zeitgenössischer Autoren: Münchens rege inkunst-Crew/Halle 7. Zu entdecken ist jetzt Jens Roselt, der eine leichte Hand hat für sarkastisch-flotte Dialoge, direkt aus einer zynischen Spaßgesellschaft - die schon längst keinen Spaß mehr hat. Den hat dafür der Zuschauer: Claus Peter Seifert lässt Roselts Ehebruchsgeschichte "Dreier" (2001) zwischen Feydeau'scher Satire und Surreal-Boulevard Amok-Pirouetten schwärzesten Humors drehen.

<P>Auf den altrosa Seidenlaken der Doppelmatratze (Bühne als Liebesfalle: Aylin Kaip) lief gerade die Endphase der einmal-pro-Woche-rittlings-rhythmischen Tätigkeit ab. Da klingelt sein Freund - der auch ihr Ehemann ist. Und F(rau) unters Plumeau.<BR><BR>Der mit dem Feuer spielt</P><P>Bei Feydeau und Labiche wäre es beim Versteckspiel geblieben. In der Ära der Obercoolness des 21. Jahrhunderts kann keiner der drei das Gesicht verlieren. Der Lover, einer, der lässig mit dem Feuer spielt, fordert den Freund auf, unter die Bettdecke zu schauen. Der wiederum weist solche Strategie - als seiner Frau unwürdig - von sich. Oder weiß er schon?<BR><BR>Ein Psycho-Krimi, der sich in rapid-hartem Schlagabtausch entwickelt bis zu dem Punkt, wo der gewiefte Staatsanwalts-Gatte dem Ehebrecher beibringt, dass er selbst, zusammen mit F, die Affäre inszeniert. In dieser (gut gebauten) Intrige kämpft man nicht mehr aus Eifersucht, sondern um die eigene Machtposition - mit dem totalen Verlust an Gefühl, an doch möglicher Liebe. Aber da sinken die drei schon auf den Teppich, vergiftet von den Kanapees, die der Liebhaber im Kühlschrank auf Vorrat hatte.<BR><BR>Claus Peter Seifert, trotz kurzfristigem Einspringen, setzt seine bekannte und bewährte Schauspieler-Präsenz ein. Überzeugend in ihrer Unentschlossenheit Petra-Lina Schulze. Scharf konturiert in seiner beamtischen Berechnung Christian Koch.</P><P>26.-28. 2., 3.-6. 3., Tel. 089/ 53 29 78 29.<BR></P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Rea Garvey auf dem Tollwood: Glücklichsein ist so einfach
Von Jung bis Alt können sich die meisten Musik-Fans auf Rea Garvey einigen. Woran das liegt, zeigt er bei seinem Auftritt auf dem Tollwood. Die Nachtkritik.
Rea Garvey auf dem Tollwood: Glücklichsein ist so einfach
Jonas Kaufmanns Otello: Nur ein Seitensprung
Diesem Debüt hat die Opernwelt entgegengefiebert: Jonas Kaufmann singt in London erstmals die Titelrolle von Verdis „Otello“. So ganz passt die Partie nicht zu ihm.
Jonas Kaufmanns Otello: Nur ein Seitensprung
Verschwitzte Sommernacht mit „The Whiskey Foundation“ im Strom
Draußen rattern Züge über die marode Brücke, drinnen spielen sich die fünf junge Münchner „The Whiskey Foundation“-Musiker den Blues, Rock und Soul der 60er Jahre aus …
Verschwitzte Sommernacht mit „The Whiskey Foundation“ im Strom
Glut in der Zwiebel
Zum Auftakt des Münchner Filmfests wird der erste Dokumentarfilm über Bud Spencer uraufgeführt.
Glut in der Zwiebel

Kommentare