Am Flughafen gestrandet

- "Sie kommt darüber nicht hinweg." Gundula ist eine kraftvolle junge Frau. Der schrullige Penner Tomasz macht sie nicht nervös, und mit dem aggressiven Drogen-Bürschchen B, das sogar ein Messer zückt, wird sie locker fertig. Selbst den Wachmann Schutte manipuliert sie gewieft in ihrem Sinne. Nur das ständige Zigarettenzerbröseln ist kein gutes Zeichen. Am Ende ihrer und der Vorstellung im Münchner Volkstheater liegen ihre Lebenslügen und -wunden bloß.

<P>Die zweite Inszenierung unter Christian Stückls Intendanz hat Kristo Sagor, auch Autor des Stücks "Durstige Vögel", übernommen. Seine erste Regiearbeit an einem großen Theater. Das Drama, das in einer Flughafenhalle spielt, wo sich eigentlich nur Reisende, Abholer und Personal aufhalten dürfen, schwimmt als deutsches Treibholz auf der britischen Welle der Das-Leben-ist-furchtbar-Stücke mit. </P><P>Also sind es vor allem Gestrandete, Angeschwemmte, die im "Hafen" der durstigen Vögel, der Flugzeuge, herumhängen - und dramatisch interessieren sollen. Sie haben keinen festen Ort mehr im Leben, signalisiert symbolträchtig der Raum. Ihn hat Barbara Kaesbohrer denn auch als Mischung aus grauer Halle mit Absperrwänden und Traum-Projektionsfläche mit Galeriebrücke gestaltet. Da haben schrille Fluggäste ihren Auftritt, da wünschen sich B, Tomasz und Schutte ihre Idealwelten. <BR><BR>Es sind vor allem Sophie Wendt, Alexander Duda, Florian Stetter, Michael Lippold und Karsten Dahlem, die das Grau, aber auch die Konstruiertheit des Stücks mit Leben füllen müssen. Sie tun das überzeugend und einfühlsam. Insbesondere Gundula und B werden in ihren Umschwüngen von mühsam erhaltener Souveränität und aufbrechender Schwäche ausführlich gezeichnet. Für Sophie Wendt ein großer Aufritt, den sie, klug die Effekte setzend, meistert. Sicher auch mit Hilfe des Regisseurs Sagor. Er und Florian Stetter entwickeln feinen Humor bei Bs Jungen-Schlaksigkeit zwischen Coolness und Verlegenheit; herzig sind die tollpatschigen Zärtlichkeitsversuche an Gundula. <BR><BR>Überhaupt will die Inszenierung Komik nicht zu kurz kommen zu lassen, es gelingen auch immer wieder schöne Momente, Einfälle. Insgesamt nimmt Regisseur Sagor das Stück des Autors Sagor zu wichtig. Das jedoch trägt nicht zwei Stunden. Entschlossen streichen, viel mehr Tempo und Selbstironie . . . <BR></P>

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