Das flutscht wie geölt

- "Einmal nicht aufgepasst" hat Schutzengel Engelbert, und schon droht Sarah Feldhoff ins Unglück zu stürzen. Die Münchner Studentin, vor der Mama nach Berlin geflüchtet, liebt Danny, bloß Fahrradkurier und HipHopper, während Frau Feldhoff in die besseren, sprich betuchten Kreise strebt . . . Für alle, die gerne mal Tränen lachen, ist diese himmlische Komödie ein Muss. Jochen Busse - was für ein Schutzengelberti! Schauspieler, Moderator, Kabarettist, er lässt alle Talente, alle Genres als komödiantisches Feuerwerk sprühen.

Er ist auch der Initiator dieses Stücks. Dem jungen Lars Albaum - verfasst unter anderem die RTL-Serie "Das Amt" mit Busse - und seinem Co-Autor Dietmar Jacobs hat dieser Vollblutkomödiant die Tür zum Theater geöffnet. Und bewies damit, dass auch Deutsche sehr wohl guten Boulevard schreiben können. <BR><BR>Albaum & Jacobs, beide Jahrgang 1967, haben Sprachwitz und -Dynamik der jungen Leute von heute drauf. "Ich bind' mir gleich zwei Pappteller an die Ohren und sage, ich wär Prinz Charles", Danny muffig zu seiner Sarah, die ihn für die anreisende Mama hochstapeln möchte. <BR><BR>Aber da hat Schutzengel-Chef - Dr. Engelmann Philipp Sonntag mit Brit-Humor-Finesse - schon seinen säumigen Berti zur Erde entsandt. Der dringt nun ein in Sarahs Prenzlauer-Berg-Bude als kurzsichtiger Blaumann-Klempner, Pizzabäcker, Staubsauger-Vertreter, saugt im Parkett, "damit es nicht wieder heißt, die Komödie im Bayerischen Hof mache verstaubtes Theater". Und im fliegenden Wechsel zwischen geflügelter Engelsgestalt und grandioser lausbübiger Publikums-Animation spielt er zwecks Täuschung der Mama auch Sarahs reifen Freund, legt - muss ja! - einen eckig-verknoteten Rap & Breakdance hin, dass sich die Bühnenbalken biegen. Dann mimt er, zur Besänftigung von Danny, kurzentschlossen den Lover von Mama.<BR><BR>Engel im Doppelbett<P>In Busses Temperaments-Aura kommt Veronika von Quast nicht so ganz dazu, ihre Vollblut-Qualitäten zu entwickeln. Aber reinhängen tun sich alle - auch die sehr natürliche Tessa Höchtl und Stephan Schill - in das von Regisseur Horst Johanning angeschlagene Tempo, in die verzwickte Vaudeville-Dramaturgie. Raus aus den Engels-Schwingen, rein ins Doppelbett, weg durch die Tür, das flutscht wie geölt. Am Ende, wenn Engelbert seine Identität verrät, gleitet der Komödienspaß über ins ernst gemeinte Märchen. Ohne Bruch, ganz selbstverständlich. So kann Boulevard auch sein.<BR></P><P><BR> </P>

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