Fontanes Geisterhaus

- Launisch, selbstdarstellerisch, um Worte nie verlegen: Effi Briest ist eine theatralische Figur. Ein Sturm der Gefühle, mal verzagt, dann aufbrausend. Fontanes Roman bietet Stoff für die Bühne.

<P>Aber taugt er als Drama? Petra Maria Grühn, Intendantin des Münchner Teamtheaters, hat es mit einer zweistündigen Fassung versucht. Nur an einer langen Tafel sitzen, lehnen, stehen die sechs Schauspieler in Martina Vehs "Effi Briest"-Inszenierung. Antoinette Wosien serviert als sächselnde Roswitha Tee, Milchhörnchen und einen herrlich dümmlichen Gesichtsausdruck. </P><P>Von den weit entfernten Stirnseiten aus liefern einander Esther Straimer und Wolfgang Rommerskirchen als das Ehepaar von Briest eine Slapstick-beladene Anti-Konversation. Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt: Zwischen ihnen stakst, stolziert, stürzt Karo Guthkes mädchenhafte Effi, droht mit ihrem Temperament fast die Bühne zu sprengen, in Zuneigung und Abscheu zum strengen Baron von Instetten, gespielt von Peter Bamler.</P><P>Im Hintergrund von Barbara Schwarz' Bühne stapeln sich geisterhaft in Cellophan gewickelte Stühle. Veh hat den von Grühn eingefügten Chinesen-Szenen - Albtraum Effis - Raum gegeben: Zu klirrenden Klängen bewegt sich Markus Menzel darin, bleich, zitternd und in Zeitlupe. Eine geschickte Meta-Ebene, doch passen diese und andere Geisterhaus-Unterbrechungen so gar nicht zur naturalistisch aufgeführten Haupthandlung.</P><P>Aus dem Roman ist mal ein unterhaltsames Gesellschaftsdrama, mal ein zu bemühtes Erzählstück geworden, das Veh durch eine überaus aktive Effi zu beleben versucht hat. Am Ende scheinen jedoch sogar ihre Figuren vor der Wiedererweckung auf der Bühne zu kapitulieren. Die nun Bewegungslosen werden mit Cellophan umwickelt, auch sie sind jetzt Vergangenheit: Fontane spukt.<BR></P><P>Bis 18.12., Mi.-Sa., 20 Uhr. Karten 089/ 260 43 33, www.teamtheater.de.<BR></P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Mega-Cooler Kultseniorenabend! Neil Diamond in der Oly-Halle
Kontrastprogramm zur Wiesn: Am Donnerstagabend hat Neil Diamond die Olympiahalle mit seiner Coolness beehrt. Eine Kritik.
Mega-Cooler Kultseniorenabend! Neil Diamond in der Oly-Halle
Der Mut-Lacher
Mit „Monsieur Claude und seine Töchter“ gelang Philippe de Chauveron ein Riesenerfolg. Nun setzt de Chauveron einen drauf: In „Hereinspaziert!“ übernimmt Christian …
Der Mut-Lacher
Nachtkritik: Sting macht in der Olympiahalle sein Ding
Sting hat in seinem Musikerleben Songs geschrieben, die heute noch so gut funktionieren wie 1983 oder 1995. Davon macht er in der Olympiahalle Gebrauch - und seine Fans …
Nachtkritik: Sting macht in der Olympiahalle sein Ding
Im Lenbachhaus geht der Punk ab
Das Münchner Lenbachhaus zeigt in der Ausstellung „Normalzustand“ deutsche Undergroundfilme, die zwischen 1979 und den frühen Neunzigerjahren entstanden sind. 
Im Lenbachhaus geht der Punk ab

Kommentare