Forum für Nazi-Schick

- Ein Roman, mit dem sich sein Autor in die schmutzigsten, die braunen Ecken der Gesellschaft begibt und darin stecken bleibt, der kokettiert mit Faschismus, Antisemitismus, Nazisymbolen, mit Adolf Hitler und "Mein Kampf", ein Roman, der zwei pädophile Pornofilmer zu seinen Subkultur-"Helden" macht ­ und das alles unter dem Alibi der Gesellschaftskritik ­, dieser Roman wird nun in einer Bühnenfassung morgen an den Münchner Kammerspielen uraufgeführt (Neues Haus).

"Macht und Rebel" ­ so die Namen der beiden Hauptakteure ­ heißt der im vergangenen Jahr im Münchner Blumenbar Verlag erschienene Prosatext des Norwegers Matias Faldbakken. Ein Buch aus einer sich links apostrophierenden Fascho-Ecke, geschwätzig, obszön, verlogen. Gewaltgeil und ideologieverliebt. Aus literarischer Sicht: Schund, der nicht auch noch aufs Podest gehoben werden sollte.

Texte dieser Art kann veröffentlichen, wer will ­ und so viel er will. Aber es darf schon einmal vorab gefragt werden, ob wirklich eine von der Stadt hoch subventionierte Bühne diesem propagierten Nazi-Schick ein Forum bereiten muss. Die Faschismus-Koketterie des Autors ist so billig wie fatal; spielt doch der Buchtitel "Macht und Rebel" auf den "Nacht und Nebel"-Erlass an, nach dem die Nazis 1941 in Norwegen an sie denunzierte Widerständler deportierten.

Wenn das Theater der Stadt, die Münchner Kammerspiele, nun in diese braune Brühe des Romans eintaucht, um was auch immer an angeblicher politischer Auseinandersetzung herauszufischen, ist das vor allem ein Schielen nach Extra-Aufmerksamkeit. Mit der Verpflichtung von Punk-Sänger und Pop-Kritiker Schorsch Kamerun (43) von der Band "Die goldenen Zitronen", der die Romanvorlage als musikalische Revue inszenieren will, hofft vermutlich die Theaterleitung, auf der richtigen Seite wieder aufzutauchen.

In diesem Glauben mag sie auch noch die Tatsache bestärken, dass sich kein Geringerer als der große Linke der deutschen Schauspielerzunft, Josef Bierbichler, für "Macht und Rebel" verpflichten ließ.

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