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Der große alte Mann des Rock‘n‘Roll: Francis Rossi.

Gespräch zur Abschiedstour von Status Quo 

Francis Rossi: „Ich mache die Tür nicht zu“

München - Der Mann, den sie respektvoll „Grand old Man of Rock’n’Roll“ nennen, lädt zum Gespräch ins Münchner Hard Rock Cafe. Grund für das Treffen mit Francis Rossi ist eigentlich, dass der Kommandant der britischen Rock-Fregatte Status Quo das zweite Akustik-Album seiner Mannschaft vorstellen möchte. Doch es gibt weit mehr Gesprächsbedarf.

Am 14. Juni brach Rick Parfitt, Gründungsmitglied von Status Quo, nach einem Konzert in Antalya zusammen. Herzinfarkt. Laut Manager Simon Porter war der 68-Jährige für ein paar Minuten tot, bevor ihn die Rettungskräfte wiederbeleben konnten. Als Folge hat der Rockstar bis zur vollständigen Genesung mit kognitiven Beeinträchtigungen zu kämpfen und scheidet bis auf Weiteres für den Bandeinsatz aus. Die aktuelle Tour, während der Status Quo ein letztes Mal ihr legendäres Gitarrengewitter entfesseln und ihren Fans Boogie-Rock-Hits wie „Rockin’ all over the World“, „Whatever You want“ und „In the Army now“ in voller Lautstärke um die Ohren fegen, wird mit dem irischen Gitarristen Richie Malone fortgesetzt. Er steht auch Ende November in der Münchner Olympiahalle auf der Bühne.

Bereits im Januar hatte die Gruppe beschlossen, nach dieser Tour die E-Gitarren auszustöpseln – und nahm ihr zweites Akustik-Album auf: „Aquostic II – That’s a Fact“, das hauptsächlich aus Neuinterpretationen eigener Klassiker besteht.

Rossi schimpft über sein neues Smartphone und Gitarrendiebe

Trafen sich in München: Francis Rossi und Christoph Ulrich.

Eine Art Abschiedstour vor dem Wechsel in ruhigeres Fahrwasser und Parfitts Infarkt – Francis Rossi lässt sich im Gespräch gern ein auf die augenfälligen Themen. Als würde man sich ewig kennen, erzählt und scherzt der Sänger, Gitarrist und Komponist munter drauflos. Er zeigt Bilder auf seinem Smartphone, schimpft über dessen neues Betriebssystem und über Gitarrendiebe, die ihm ans Herz gewachsene Instrumente gestohlen haben. Natürlich geht’s auch um Rossis geliebtes Hauptinstrument, eine grüne 1957er Fender Telecaster, die seit 1968 im Einsatz war und die er unlängst „in Ruhestand“ schicken musste, weil ihr Holz zu weich geworden war, um die Stimmung zu halten. Seither ist er mit einer Gitarre aus Graphit unterwegs, die ihm gut gefällt, aber die er demnächst an den Nagel zu hängen gedenkt.

Über den Grund für die Abkehr vom elektrischen Rock’n’Roll hat Rossi bisher allerdings nicht oft gesprochen. Höchste Zeit also, um nachzufragen, ob die Hinwendung zur akustischen Musik mit dem Alter zu tun haben könnte. „Ich habe das Alter“, grinst der 67-Jährige vieldeutig, „also ist es eine Frage des Alters“. Er beeilt sich jedoch anzufügen, dass man in Sachen „Hingabe“ viel von den alten Rock’n’Rollern gelernt habe. Von Little Richard zum Beispiel und, ohne dass er große Sympathien für ihn hege, von Jerry Lee Lewis. „Sie waren so inbrünstig beim Musikmachen – und das sind Status Quo auch. Der ganze Körper spannt sich an; und wenn du das nicht machst, klingt’s langweilig. Wenn du aber älter wirst, besonders nach richtig guten Shows, autsch! Da wird der nächste Morgen hart. Und obwohl das Herz sagt: ,Mach weiter!‘, sagt der Körper ,Fuck off!‘“ Zwar sei er anfangs unsicher gewesen, ob er Akustik-Konzerte überhaupt spielen wolle – jetzt fühle es sich aber ziemlich gut an: „In England sagen wir: ,A Change is as good as a Rest.‘“ (in etwa: „Abwechslung ist so gut wie eine Pause“; Anm. d. Red.). Natürlich werde ihm schwer ums Herz, wenn er daran denke, dass das elektrische Status-Quo-Zeitalter ohne Parfitt zu Ende gehe. „Aber wir wussten alle, dass es irgendwann passieren würde. Rick war immer der wilde Mann des Rock’n’Roll. Er hat selbst gesagt: ,Jetzt bezahle ich dafür.‘“ Der Ausfall seines Konterparts habe die Band in eine Lage gebracht, in der man nicht recht wusste, was zu tun sei. „Wir konnten ja nicht abwarten: Wir wären von den Veranstaltern verklagt worden. Wir leben nicht mehr in den Sechzigern oder Siebzigern, als du einfach Konzerte absagen konntest.“ Heute werde man auf Verdienstausfall verklagt – nicht nur Status Quo. „Ja, meinst Du Angus (Young von AC/DC; Anm. d. Red.) wollte mit Axl (Rose von Guns N’ Roses; Anm. d. Red.) auf Tour gehen? Das glaub ich nicht!“

Rossi schweigt für längere Zeit, dann sagt er. „Weißt Du, ich gebe es nur ungern zu: Aber der Gitarrist, der Rick ersetzt, hat der Band einen mächtigen Kick gegeben. Es ist fast lächerlich, wie schnell man sich an etwas gewöhnt, und es zeigt, dass eben doch jeder ersetzbar ist. Das Leben geht weiter. Ich glaube, wir alle nehmen uns ein bisschen zu wichtig.“

Rossi ist begeistert von Ersatzmann Malone

Ob man aus seiner Leidenschaft für Musik und der Tatsache, dass sich Richie Malone nahtlos in die Band eingefügt hat, folgern dürfe, dass Status Quo irgendwann doch wieder in voller elektrischer Klangpracht touren werden? Francis Rossi windet sich: „Vielleicht. Guter Punkt! Ich mache die Tür nicht zu – aber im Moment natürlich nicht.“ Pause. „Ich habe wirklich nicht damit gerechnet, dass da ein junger Kerl kommt, der einen alle Entscheidungen infrage stellen lässt.“

Status Quo spielen am 30. November in der Münchner Olympiahalle; Telefon: 089/ 49 00 94 49.

Christoph Ulrich

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