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Zickenszene mit Wotan: John Lundgren als Göttervater und Sarah Conolly als seine Gattin Fricka, die ihm zusetzt.

Bayreuther Festspiele

Aus dem Walkürentritt geraten

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Bayreuth - Der zweite Teil von Frank Castorfs "Ring"-Inszenierung: Die Wiederaufnahme der "Walküre" am Grünen Hügel mit einem unwirschen Marek Janowski am Pult und einer überforderten Sieglinde. Lesen Sie hier unsere Kritik: 

Die wenigen Videos müsste man sich wegdenken. Dazu die kyrillische Schrift auf dem Dach dieser kaukasischen Öl-Förderstation. Auch die Schaufel, mit der Brünnhilde den tödlichen Speerstich Siegmunds in Richtung Sieglinde verhindert. Aber dann würde vielleicht Bemerkenswertes passieren: All die Stimmung gegen Frank Castorfs „Walküre“ wäre verpufft. Im vierten Jahr sieht die Produktion so aus wie gut abgehangene Konvention à la Jürgen Flimm. Die Sänger dürfen das bringen, was man – beim Hören auf Richard Wagners so gestische Musik – üblicherweise tut. Die Blickachsen, das Zusammenspiel im Kleinen, die Intensität, all das funktioniert nach alten Gebräuchen. Castorf, so scheint es, hat sich im Regiestuhl zurückgelehnt und „mal machen lassen“. Nur gelegentlich, beim Kuss etwa, den sich Wotan von der Tochter fast gewaltsam holt, die erste Zärtlichkeit wohl überhaupt, die Brünnhilde prompt aus der Fassung bringt, da registriert man Neubewertungen. Ganz abgesehen von der Bühne, die Aleksandar Denic auf die Drehscheibe bauen ließ. Die ist, in ihrem Ermöglichen immer neuer Spielwinkel, im Doppelsinn eine Wucht.

Viele Neuzugänge in der "Walküre"

Auch im zweiten „Ring“-Teil gibt es bei diesem Bayreuther Festspieldurchgang viele Neubesetzungen. John Lundgren, als Wotan Typ glatzköpfiger Bösewicht, scheint immer gegen eine Barriere anzusingen. Klanglich ist das eigenwillig, bleibt im zweiten Akt monochrom und textarm, hat im großen Monolog zu wenig Raffinesse, imponiert aber in seiner Expansionskraft. Christopher Ventris vertraut mit zärtelndem Heldencharme auf seine lange Siegmund-Erfahrung. Georg Zeppenfeld, zwei Tage zuvor als Gurnemanz der Dominator des neuen „Parsifal“, hat den Schalter umgelegt. Durchtrieben, gefährlich ist sein Hunding, von mafiosem Gewicht und sportiv: dreimal das Treppengerüst zwischen den Gesangsverrichtungen hinaufsprinten – für den Megabass kein Problem.

Sarah Conolly, obgleich klangschön, bleibt auch in der „Walküre“ als Fricka blass, die Zickenszene mit Wotan würde an sich Steilvorlagen liefern. Und dann gibt es noch das Problem Heidi Melton. Bis vor kurzem war sie nur Cover für Jennifer Wilson. Als diese jedoch krankheitshalber zu oft fehlte und sich angeblich, so sah es Dirigent Marek Janowski, zu wenig von Brünnhilden-Sängerin Catherine Foster unterschied, musste Wilson gehen. Die Ersatzbanklösung ist, im Forcieren ab der oberen Mittellage, kaum festspielwürdig. Weltweit stünde ein Dutzend Sieglinden bereit, womöglich ließe sich sogar eine unter den acht Walküren finden – ein Besetzungsunfall. Catherine Foster, schon seit der Premiere dabei, hat dagegen ihre sehr aktive, entschlossene Brünnhilde noch mehr verfeinert. Ihre lyrische Vergangenheit lässt sie durchschimmern, die Ausbrüche sind nie mit Materialverschleiß erkauft.

Janowski dirigiert herb und kantig

Kämpfen muss sie jedoch trotzdem, und da ist sie auf der Bühne nicht allein. Marek Janowski hat sich eine Interpretation vorgenommen, von der er kein Jota abweicht und manches aus dem Walkürentritt geraten lässt. Herb und kantig ist das, von einer altkapellmeisterlichen, unwirschen Dramatik, durchaus effektvoll in den Zuspitzungen, auch mit schönen Verweilstellen etwa in der „Todverkündigung“, aber zu wenig sensibel. Die Sänger müssen sich in Janowskis rasche Lesart fügen, Irritationen wie schon im „Rheingold“ sind die Folge. Zweierlei zeigt dieses späte Debüt des 77-Jährigen: dass in Bayreuth, man nehme nur Georg Solti, schon ganz andere Kapazitäten Probleme bekamen. Und dass, man erinnere sich an Hartmut Haenchens aktuellen „Parsifal“, Tempo auch Flexibilität, Sensibilität und Kooperation bedeutet.

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