Frankensteins Monster

- "Alles außer Kontrolle" - zu diesem viel Freiraum lassenden Obertitel haben die Münchnerin Katja Wachter, Carlos Cortizo aus Nürnberg und der Leiter des Würzburger tanzSpeichers Thomas K. Kopp jeweils ein Stück entworfen, jeweils für die selben drei ausgezeichneten Tänzer. Der sichtlich gegenseitig inspirierte Dreiteiler war nach Fürth und Würzburg (den Co-Produzenten) im Münchner i-camp zu besichtigen. Ein gelungener Abend - und ein Beweis, dass Bayern im zeitgenössischen Tanz international konkurrieren kann.

Nicht wenig dazu beigetragen hat die Münchner Iwanson Schule, wie am ehemaligen Absolventen Thomas K. Kopp zu sehen. Er weiß Atmosphäre, Spannung zu schaffen mit Licht, vor allem aber durch haarfein erspürte Raumwege und Gegenüberstellungen von einem mit zwei Tänzern. Deren wiederholte Zwillings-Bewegungen lassen sich mit Blick auf den Titel eventuell als "Kontrollier"- oder "Beschattungs"-Duette deuten. Und Kopp verblüfft mit einer ungemein reichen Fantasie der Bewegung, die oft eine schöne skulpturale Qualität annimmt, die in ihrer Phrasierung, ihrer rhythmischen Brechung und Winkelung aus den Gelenken heraus, sogar in ihrem marionettenhaften Körperwitz, an die Handschrift Katja Wachters erinnert. Aber die Wachter ist ja auch seit Jahren Dozentin der Iwanson Schule - genau so entwickelt sich eben eine Tradition.

Wachter, immer ein kluger Kopf, ist die einzige im Choreographen-Trio, die zum Denkanstoß des Titels ein greifbares Konzept findet und in ihrem "F.R.E.M.D." klar auf die Bühne übersetzt: drei Frankenstein-Monster versuchen sich zurechtzufinden in ihrem konstruierten Körper - der aber tragikomisch immer wieder außer Kontrolle gerät. Ganz ohne narrative Absicht zeigt Carlos Ortizo, dass Kontrolle und ihr Verlust die beiden relevanten Pole sind, in deren Spannungsfeld der zeitgenössische Tanz überhaupt erst entsteht. Das macht er ausgesprochen gut. Wiederholen!

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