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Büchersüchtig sind die Argentinier – 22 600 Titel mit einer Gesamtauflage von 88 Millionen Exemplaren wurden im vergangenen Jahr registriert. Blick in einen Buchladen in Buenos Aires. Landesweit versorgen 2400 Buchhandlungen die rund 41 Millionen Einwohner mit Literatur. 

Frankfurter Buchmesse: Lesen im Tango-Land

Frankfurt - Das Gastland Argentinien will auf der Frankfurter Buchmesse Vielfalt zeigen. Gelingen soll dies vor allem mit dem eigenen Nachwuchs und Exil-Literatur.

Einen „fantastischen Schmelztiegel aus Kulturen aus aller Welt“ nennt der argentinische Schriftsteller und Literaturprofessor Mario Goloboff seine Heimat. Gerade diese Mischung habe eine einzigartige Literatur in seinem Land hervorgebracht. Diese besondere Qualität wollen die Schriftsteller vom Rio de la Plata bei der diesjährigen Frankfurter Buchmesse zeigen, auf der Argentinien unter dem Motto „Kultur in Bewegung“ Gastland ist.

Rund 60 Autoren und Intellektuelle schickt das südamerikanische Land zur wichtigsten Bücherschau der Welt vom 6. bis 10. Oktober. Ein Übersetzungsprogramm der argentinischen Regierung hat 300 Titel von 230 argentinischen Autoren gefördert, die zur Buchmesse in 33 Sprachen erscheinen. Auf einer der weltweit bedeutendsten Plattformen will sich Argentiniens Literatur und Kultur stärker international profilieren. Ein wichtiges Thema sind dabei auch Bücher, bei denen es um die Aufarbeitung der Militärdiktatur geht.

22 600 Titel mit einer Gesamtauflage von 88 Millionen

Das Land mit 41 Millionen Einwohnern, das fast achtmal so groß wie Deutschland ist, hat neben seiner Schönheit auch kulturell viel zu bieten – nicht nur den Tango, der seit Jahren in Argentinien und weltweit eine ungeahnte Renaissance erfährt. Das Volk ist sehr lesefreudig: Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 22 600 Titel mit einer Gesamtauflage von 88 Millionen registriert. Bücher von kontinuierlich arbeitenden Verlagen, die über Buchhandlungen auf den Markt kommen, machen etwa die Hälfte aller Titel und zwei Drittel der Gesamtauflage aus.

Regen Zulauf haben auch Schreibkurse: „Hier befassen sich die Menschen mit Literatur, obwohl sie davon niemals ihren Lebensunterhalt verdienen können“, sagt Goloboff. Vor allem Jüngeren, wie Félix Bruzzone oder Alan Pauls, die sich zum Teil bereits etabliert haben, will Argentinien auf der Buchmesse ein Forum bieten. „Sie vertreten eine sehr wichtige und mutige Literatur“, sagt der 71-Jährige, der für die Buchmesse eine Anthologie von Schriftstellern zusammengetragen hat, die während der Militärdiktatur (1976-1983) ermordet oder ins Exil getrieben wurden, wie Haroldo Conti, den Goloboff für nicht ausreichend beachtet hält: „Ein großer Erzähler, der eher Christa Wolf als Günter Grass ähnelt.“

Am faszinierendsten aber ist für Goloboff die Mischung der Kulturen in seinem Land. Offensichtlich werde das bei Roberto Arlt. In seiner Kindheit habe Arlt zu Hause bei seinen aus Österreich-Ungarn und Italien stammenden Eltern nur mittelmäßiges Spanisch gehört. Sein eigenes war deshalb eigenartig, bisweilen von ihm selbst ausgedacht, sagt Goloboff. „Aber gerade das gibt seiner Sprache dann eine ungeheure Kraft und Wucht.“

von Jan-Uwe Ronneburger

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