Frankreich gegen Frankreich

- Frankreichs Kicker contra Frankreichs Klassik. Das klingt nach unlauterem Wettbewerb. Doch am Samstagabend reichte es zum Doppel-Sieg: in der Frankfurter Fußball-Arena gegen Brasilien ebenso wie auf dem Münchner Odeonsplatz mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und Esa-Pekka Salonen.

Vor der Feldherrnhalle ließen sich rund 8000 Musikfreunde von Claude Debussy und Hector Berlioz (und dem dazwischen geschobenen Mozart) statt von Zinedine Zidane verzaubern. Da der Startschuss für beide Open-Air-Veranstaltungen gleichzeitig war, trug der Wind vom nahen Marienplatz gelegentlich ein bisschen Fan-Jubel herüber. Der fügte sich gut getimt zunächst in die Schlusscoda des Mozartschen Violinkonzertes D-Dur KV 218. Da freute sich nicht nur das Publikum, sondern auch Frank Peter Zimmermann, der Mozart musikalisch souverän "verteidigte". Erstaunlich, dass sich auf dem großen Platz die Intimität etwa in den meisterhaften Kadenzen nicht verflüchtigte, dass Zimmermann die Gesanglichkeit des Andante sensibel auskosten konnte, feine Überleitungen formulierte und das Rondo - lebendig unterstützt von Orchester und Dirigent - mit heiterer Leichtigkeit absolvierte.

Zum dank erstklassiger Übertragungstechnik gelungenen - akustischen Vergnügen gesellte sich ein geradezu voyeuristisches: Auf der Riesenleinwand konnten die Zuhörer dem Zaubergeiger intensiv auf die Finger schauen, seine stupende Technik und seine edle Stradivari auch optisch genießen. Zunächst bei Mozart und dann bei einer Zugabe aus der violinistischen Hexenküche Paganinis.

Einen Zauber ganz eigener Art hatten Salonen und die BR-Symphoniker schon zuvor entfacht, in Debussys "L'après-midi d'un faune".

Wunderbar gelassen breitete der Dirigent Mattheit und Schläfrigkeit eines südlich-hitzigen Sommernachmittags aus, während eine kühle Brise über den Odeonsplatz wehte und Amseln und Schwalben sich nicht wirklich als Konkurrenten zur delikaten Solo-Flöte vorwagten.

Ihre Bläser-Kollegen - Holz wie Blech - nutzten Berlioz' abschließende Symphonie fantastique, um sich effektvoll in Szene zu setzen. Nie pauschal, sondern stets differenziert, agogisch wohl überlegt und spannungsvoll strukturierte Salonen das von Berlioz’ "idee fixe" durchzogene Geschehen. Sowohl die lyrische Durchhörbarkeit des Beginns wie die Vitalität des Walzers, das feine Gespinst der pastoralen Szene, die gefährlichen Steigerungen des Marsches wie die spukhaften Obsessionen des Hexensabbats behaupteten sich unter freiem Himmel ausgezeichnet.

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