Bayern-Schock: Müller verpasst wohl Leipzig-Doppelpack

Bayern-Schock: Müller verpasst wohl Leipzig-Doppelpack
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Der Fremde in seinem Garten: Bei Jean Etienne Fougerole (Christian Clavier, li.) macht es sich Babik (Ary Abittan) mit seiner Familie gemütlich. Die Komödie „Hereinspaziert!“ kommt am Donnerstag in unsere Kinos.

Morgen startet der Nachfolger von „Monsieur Claude und seine Töchter“. Interview mit Christian Clavier:

Der Mut-Lacher

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Mit „Monsieur Claude und seine Töchter“ gelang Philippe de Chauveron ein Riesenerfolg. Nun setzt de Chauveron einen drauf: In „Hereinspaziert!“ übernimmt Christian Clavier die Rolle eines Intellektuellen, der dafür wirbt, keine Angst vor Sinti und Roma zu haben. Das nimmt eine Roma-Familie ernst und wünscht, von ihm beherbergt zu werden. Ein Gespräch mit dem 65-Jährigen über den Mut zu politisch unkorrektem Humor.

-In dem Film werden negative Klischees über Sinti und Roma bedient. Haben Sie nicht Sorge, dass diejenigen, die gegen Roma hetzen, sich durch den Film bestätigt fühlen?

Nein. Denn wenn wir Angst haben, mutige Filme zu machen, weil sie jemand falsch verstehen könnte, sind wir nicht sehr weit entfernt von einer Diktatur. Es ist eine alte Tradition, Menschen auf bestimmte Weise erziehen zu wollen. Doch ich glaube nicht, dass ich das Publikum manipulieren kann. Wenn jemand das denkt, dann, weil er das Publikum manipulieren möchte. Deshalb legen sich viele Filmemacher einen Maulkorb an – aus Angst, das Publikum könnte Ironie und Witz missverstehen. Was für eine Überheblichkeit! Als wären die Zuschauer nicht in der Lage, zu dem Distanz zu wahren, was sie sehen.

-Darf man also über alles lachen?

Natürlich! Denken Sie nur an Monty Python! Es ist zur Mode geworden zu sagen: „Darüber darf man nicht lachen.“ Dabei dachte ich, zu einer Nation zu gehören, in der man in jeder Hinsicht frei ist! Wir müssen frei sein in unserem künstlerischen Schaffen. Wenn dir der Film nicht gefällt, okay. Wenn du findest, dass er nicht lustig ist, alles klar. Aber du darfst nicht über etwas richten, obwohl du es noch gar nicht gesehen hast. Was leider viel zu oft der Fall ist. Ich kenne Kritiker, die nur das Thema, das wir behandeln, wahrnehmen und uns dafür schon abstrafen. Herrje, sollen wir denn nur noch Geschichten à la „Meine Frau schläft mit einem anderen Mann“ drehen? Das ist alles?

-Es gibt für Sie keine Grenzen beim Humor?

Du musst immer den Menschen respektieren, über den du lachst. Das ist die einzige Regel, die du einhalten musst. Du darfst ihn nicht niedermachen. Diese schwierige Balance zu halten zwischen dem Respekt vor den Menschen und der Freiheit der Kunst – das ist die Herausforderung. Viel zu viele wagen es deshalb erst gar nicht.

-Sind wir zu politisch korrekt?

Zu ideologisch. Besonders in Frankreich. Ich hoffe, es wird sich wieder ändern. Die jungen Kollegen sind erfrischend, extrem frei. Die Leute, über die ich eben gesprochen habe, sind eher meine Generation. Sie werden aussterben. So wie ich. Aber hoffentlich erst in weit entfernter Zeit. (Lacht.)

-Wie haben Sie herausgefunden, dass Sie Menschen zum Lachen bringen können?

Als Schulkind, als ich – natürlich! – meine Lehrer nachgemacht habe. Am liebsten den Deutschlehrer. Später sagte ein Pariser Theaterregisseur zu mir: „Du hast etwas an dir, was ich zuvor nur bei Louis de Funès gesehen habe – du kommst auf die Bühne, und die Menschen lächeln. Bau diese Fähigkeit aus und du wirst eine interessante Karriere machen.“ Es sind immer andere, die das für dich erkennen. Schauspielerei ist ja der einzige Beruf, bei dem nicht du selbst, sondern bei dem die Zuschauer entscheiden, ob du ihn ausüben kannst. Was war es für eine übermächtige Freude, als klar war: Ja, ich werde diesen Beruf ausüben können – weil es dem Publikum gefällt.

-Sind Sie privat auch lustig? Oder stimmt es, dass Komiker meist sehr ernste Menschen sind?

Nein, das ist ein Klischee. Das Bild des traurigen Clowns lässt sich einfach gut verkaufen. Ich erzähle ständig Witze. Natürlich bin ich nicht rund um die Uhr lustig. Doch es entspricht meiner Natur, Menschen zum Lachen zu bringen. Und selbst zu lachen.

Trafen sich in München: Merkur-Redakteurin Katja Kraft und Schauspieler Christian Clavier.

-Gehen Sie manchmal inkognito ins Kino und schauen, wie Menschen über Ihre Filme lachen?

Nein, ich hasse es, mich selbst zu sehen. Ich schaue den Film meist einmal an und dann nie wieder. Aber Menschen von der Theaterbühne aus lachen zu hören, ist toll. Das ist wie eine Unterhaltung, die da zwischen Zuschauern und Schauspielern entsteht. Eine freundliche Atmosphäre, sie teilen etwas miteinander. Lachen kann man ja nicht steuern. Es ist durch und durch ehrlich. Entweder du lachst, oder du lachst nicht. C’est fantastique!

-Sie sprechen ausgesprochen gut Englisch. Warum spielen Sie nicht in Hollywood?

Ich habe da schon einmal vorbeigeschaut. Musste aber feststellen, dass es unmöglich für mich wäre, in solch einem goldenen Käfig zu arbeiten. All die politische Korrektheit kommt aus Amerika. Deshalb haben sie Trump. Weil sie es nicht mehr ertragen, dieses ganze „Ich kann das nicht sagen, und ich kann das nicht sagen“. Nach einer Weile willst du einfach mal „Scheiße!“ rufen. Nicht immer nur „Oh, alles ist so wunderbar“ – sondern auch mal: „Verdammt, mir geht es überhaupt nicht fantastisch, du Arschloch!“ Diese falsche Oberflächlichkeit erträgt niemand auf Dauer.

-Entwickeln wir uns in Europa in dieselbe Richtung?

Für Frankreich muss ich sagen: leider ja. Ich hoffe, die Wahl von Emmanuel Macron wird etwas verändern und das Land öffnen. Wir müssen zusammen arbeiten, damit Europa funktioniert. Europa ist einfach fantastisch! Ich bin 1952 geboren, meine Großväter erlebten zwei Kriege – wie kann man heute, nach all den Jahren des Friedens, sagen: „Europa ist schlecht!“? Natürlich gibt es ein paar Kritikpunkte, aber die guten Dinge überwiegen. Gott sei Dank sind wir in Frankreich bei der Wahl einem Desaster entkommen. Die EU ist eine fantastische Idee! Der Mix der Kulturen ist die Zukunft.

-Viele haben Angst, dass durch diesen Mix Menschen ins Land kommen, die ihnen ihren Wohlstand nehmen.

Und diese Ängste muss man ernst nehmen. Die Figur, die ich in „Hereinspaziert!“ spiele, erzählt allen, was sie tun sollen. Sagt großspurig, dass wir offen für andere sein sollen, sie aufnehmen sollen – bis man ihn wörtlich nimmt. Natürlich haben viele Menschen keine Lust darauf zu teilen. Das dürfen wir nicht vergessen. Das ist die Schwierigkeit heutzutage. Aber es führt kein Weg daran vorbei.

-Deshalb sollte man es mit einem Lachen nehmen?

Genau! Denn das ist doch die beste Art, mit Herausforderungen umzugehen, oder?

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