Vom Mut der Frauen

- Goebbels wollte Hitler zu dessen Geburtstag 1943 ein "judenfreies" Berlin "schenken". Das war allerdings nicht ganz so leicht zu bewerkstelligen, wie er sich das vorgestellt hatte. In seinem Tagebuch schrieb er in der Folgezeit ausführlicher über die "Misshelligkeiten", die sich in der Berliner Rosenstraße vor dem ehemaligen jüdischen Versorgungsamt abgespielt hatten.

<P>Diese "Misshelligkeiten" waren Hunderte von lautstark demonstrierenden "arischen" Frauen, deren jüdische Ehemänner Ende Februar 1943 in Berlin festgenommen und in dem Gebäude in der Rosenstraße festgehalten wurden. Öffentlichkeit war das Letzte, was sich Goebbels für seine Aktion wünschte, und deswegen ließ man die Ehemänner nach exakt sieben Tagen einfach wieder frei.</P><P>Margarethe von Trotta schildert in ihrem streng zwischen Gegenwart und Zeitsprüngen in die Vergangenheit gegliederten Spielfilm "Rosenstraße" eben diesen einzigen ganz offenen Widerstand gegen das Regime. Leider findet man sich in den Perspektivensprüngen anfangs nicht leicht zurecht. Und bis man das Erzählprinzip verstanden hat, geht der rote Faden, emotional wie dramaturgisch, öfter mal verloren.</P><P>Berliner Ereignisse<BR>im März 1943</P><P>Ihr dicht erzählter Film beginnt im New York der Gegenwart: Die sonst liberale Ruth Weinstein (Jutta Lampe) erweckt nach dem Tod ihres Mannes jüdisch-orthodoxe Traditionen wieder zum Leben. Das kann ihre erwachsene Tochter Hannah (bedauerlicherweise arg überfordert: Maria Schrader) nicht verstehen. Darum macht sie sich auf den Weg nach Berlin, um der stets sorgsam verschwiegenen Vergangenheit der Mutter während des "Dritten Reiches" auf die Spur zu kommen. Sie spürt Lena Fischer (Doris Schade) auf, eine alte Dame, die 1943 Hannahs Mutter vor den Nazis gerettet hat. Von ihr erfährt sie über die Ereignisse im März 1943: Wie sich die Frauen anfangs eher zufällig, allein aus Sorge um den geliebten Mann vor dem provisorischen Gefängnis versammelten, wie das Wachpersonal mit der Situation der stumm ausharrenden Frauen allmählich überfordert war, wie ein SS-Erschießungskommando herbeigerufen wurde . . . Lena Fischer (in der Rückschau bravourös gespielt von Katja Riemann) war eine dieser Frauen.</P><P>Von Trotta schafft in diesen stillen, kammerspielartigen Szenen auf der Straße eindringliche, zutiefst bewegende Bilder. Wie auch insgesamt ihre inszenatorische Stärke deutlich in den psychologisch komplexen, aber scheinbar so nebensächlichen Seitensträngen der Handlung liegt. Hier gelingen von Trotta, unterstützt durch ihr sorgfältig ausgewähltes Ensemble hochkarätigster deutschsprachiger Darsteller, die stärksten Momente des Films.</P><P>Knapp konturierte, aber scharf umrissene Charaktere, eingebettet in eine außergewöhnlich gefühlvoll bebilderte Geschichte - mit "Rosenstraße" knüpft Margarethe von Trotta an ihre ganz ähnlich umgesetzten, großen Erfolge wie etwa "Rosa Luxemburg" oder "Die bleierne Zeit" an. (In München: Mathäser, Filmcasino, Maxx, Münchner Freiheit, City, Museum, Kino Solln.)</P><P>"Rosenstraße"<BR>mit Katja Riemann, Doris Schade<BR>Regie: Margarethe von Trotta<BR>Sehenswert </P><P> </P>

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