Was Frauen mögen

- Anzug, Ziertuch, ausgesucht höfliche Worte und ein unzerstörbar freundliches Lächeln auf den Lippen: Very british tritt Ken Follett auf, Bestseller-Autor seit dem Thriller "Die Nadel" im Jahr 1974. Seinem Äußeren nach ein Lord, in seinem Werdegang ein Aufsteiger - ganz wie man sich einen Freund und Förderer von New Labour vorstellt. Niemals sollten seine Partei-Aktivitäten seinen Beruf in den Hintergrund drängen, so der 53-jährige Vielschreiber. Deshalb erschien auch soeben das neueste Produkt der Marke Follett in Deutschland: "Die Leopardin" (Lübbe Verlag, 544 Seiten, 24 Euro): ein Roman über eine britische Geheimagentin und Widerstandskämpferin im Zweiten Weltkrieg, die kurz vor der alliierten Invasion in die Normandie die Fernmeldezentrale der Gestapo lahm legen will.

<P>Es gibt ein Gerücht: Follett schreibe seine Romane nicht selbst, sondern er lasse schreiben. Stimmt das?</P><P> Follett : Wäre das nicht großartig? Keine Arbeit, und ich müsste nur meinen Namen darüber setzen. Andererseits: Wenn so viele Leute das auch könnten, wäre der Job nicht so gut bezahlt. Nein, es ist schon eine besondere Fähigkeit.</P><P> Andererseits geben Sie auf Ihrer Homepage Tipps, wie man einen guten Roman schreibt. Bekommen wir dadurch noch mehr Folletts? Wo bleibt denn das Geheimnis Ihres Schaffens? </P><P>Follett : Man braucht vor allem eine lebhafte Fantasie, muss sie auf literarische Weise ausdrücken können. Und man muss beharrlich sein. Hat man jene drei Eigenschaften, kann man vielleicht von meinen Tipps profitieren. Auch ich nutze Ratschläge zur Verbesserung meiner Bücher. Guter Rat lohnt sich also. </P><P>Frauen als Heldinnen - sind Sie durch Zufall auf Ihr Lieblingsmotiv gekommen? </P><P>Follett : Es war eine literarische Entscheidung. Ich schrieb gerade "Die Nadel" - mit einem Mann als Helden. Ich änderte meine Pläne, weil eine Heldin interessanter sein würde. Also kein Zufall. Außerdem wurde das Buch dadurch besser verkäuflich, weil klar war, dass Frauen das Buch mögen würden.</P><P> Glauben Sie, Männer und Frauen mögen Ihre Bücher gleichermaßen? </P><P>Follett : Ja. Was zählt ist die Art und Weise, wie man in einen Roman hineingezogen wird. Viele Thriller verlegen sich auf gewaltsame Action und eine Maschinerie von Waffen, Autos und Flugzeugen. Diese Art Roman mögen besonders Männer. Eine Geschichte, die sich mehr für die Personen interessiert als für die Macht von Waffen und die Funktionsweise von Flugzeugen, mögen Männer wie Frauen.</P><P> Manche Ihrer sehr grausamen Szenen in diesem Buch muten zum Ausgleich dafür etwas voyeuristisch an.</P><P> Follett : Ich dachte sehr viel über diese Folterszenen nach. Sie sollten basieren auf dem, was damals wirklich geschah, ohne dabei den Lesern zu viel zuzumuten. Die erste Folter ist sehr brutal und physisch schmerzhaft. Alle folgenden sind psychologische Manipulation. Unrealistisch wäre, wenn es keine körperliche Misshandlung gäbe. Sie ist immer schon Bestandteil dramatischer Erzählweise gewesen. Die einzelnen Handlungsschritte erscheinen wie Züge in einem Strategiespiel. </P><P>Spielen Sie gerne?</P><P> Follett : Selten. Aber das ist ein interessanter Gedanke. Speziell in diesem Buch sieht man so etwas wie Spielzüge, weil es ja um zwei Figuren geht: Jeder Zug, den die Widerstandskämpferin Flick macht, provoziert einen Gegenzug des Gestapo-Majors Franck. So ein Strategiespiel gibt eine gute Struktur ab für einen Thriller.</P><P> Was könnte der Grund sein, dass Sie in den USA oder in Deutschland beliebter sind als in Ihrem Land?</P><P> Follett : Einer der Gründe ist das Aussehen der deutschen Ausgaben meiner Bücher: Schauen Sie das schöne Cover an, auch die Bindung, sehr ungewöhnlich. Der Verkauf meiner Bücher ist in den Ländern niedrig, die sie als billige Reißer vermarkten. Das funktioniert nicht. Außerdem heißt es: Der Prophet gilt im eigenen Lande nichts. Es ist wie mit dem Mann nebenan, er ist eben nur mein Nachbar. </P><P>Welcher Roman hat Sie zuletzt fasziniert?</P><P> Follett : Es muss beim Schreiben der "Leopardin" (engl. Titel: "Jackdaws") gewesen sein, dass ich Tomasi die Lampedusas "Leopard" gelesen habe. Das ist sicherlich das beste Buch, was mir in den letzten Jahren begegnet ist.</P><P> Sie haben neben Ihrer unermüdlichen Bestseller-Produktion noch genügend Zeit zu lesen? </P><P>Follett : Ja sicher. Ich arbeite täglich, habe aber auch viel Freizeit. Wir leben in einer Zeit, in der die Leute Tag und Nacht arbeiten. Ich gehöre nicht dazu. </P>

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