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Frauen: So viel Zeit rauben sie den Männern

München - Frauen kosten Männer ein Jahr ihres Lebens. Das haben britische Forscher herausgefunden: Zwölf Monate warten Männer auf Frauen – mal vor Umkleidekabinen, mal bei Verabredungen. Ein Buch verrät, wie man(n) das aushält.

Vor einem Billigramschladen in der Münchner Fußgängerzone erkannte Moritz Petz das wahre Männerschicksal. Da stand er nun also mit seinem Sohn Jan und einer finsteren Miene. „Sag’ mal, Papa, was machen die beiden da drin?“, fragte Jan – er meinte seine Mutter und seine Schwester. „Ich glaube, sie betreten unendliche Weiten, die noch nie ein Mensch zuvor gesehen hat“, erwiderte Petz in Anspielung auf eine Science-Fiction-Serie. „Da ist doch ständig jemand drin! Von wegen noch nie betreten“, moserte Jan. „Und nur Frauen! Die Männer stehen hier draußen und warten. Genau wie wir.“ Schlauer Bub, dachte sich Petz – und erklärte weise: „Das, mein lieber Junge, ist der Lauf der Dinge. Du wirst noch einige Zeit in Deinem Leben damit verbringen, herumzustehen und auf Frauen zu warten.“

Wie lange, das sollte Petz senior kurz darauf erfahren. Nämlich ein Jahr – pro Männerleben. Das hat eine britische Studie ergeben. 365 Tage warten demnach Männer auf Frauen, die gerade Klamotten oder Schuhe anprobieren, sich schminken, mit einer Freundin telefonieren – und zwischendurch flöten: „Ich komme gleich, Schatz!“

Petz macht sich da keine Illusionen mehr. „Bei Frauen kommen immer noch viele, viele kleine Sachen dazwischen“, sagt er. Eine Stunde vorm Kleiderschrank sind da noch „Peanuts“ – selbst wenn man(n) bedenkt, dass sie danach exakt das Gleiche anhat wie 60 Minuten zuvor. „Zwei meiner Romane sind vor Theatern und Kinos, in Kaufhäusern, Schuhgeschäften, Parfümerien und im Auto entstanden“, erzählt Petz. Viel Zeit hat er da verbracht. Sein jüngstes Buch mit dem Titel „Warten auf Frauen – eine Liebeserklärung an einen untragbaren Zustand“ ist kürzlich herausgekommen. Da wusste Petz schon längst, dass ein Notizbuch in der Hosentasche unerlässlich ist – vor allem, wenn er mit Frau und Tochter unterwegs ist.

Moritz Petz: „Warten auf Frauen“, Schwarzkopf & Schwarzkopf; 9,95 Euro.

Im Prinzip hat sich Petz mit seinem „Ich muss mal wieder warten“-Schicksal eh ein bisschen versöhnt. Er ist ja nicht allein. Die anderen von seiner Spezies kennen das auch – und haben inzwischen einige Tricks entwickelt. „Ein Freund von mir hat es mal geschafft, eine Einkaufsorgie zu torpedieren“, erzählt Petz in einem Interview. „Er hat einfach sämtliche Klamotten gegriffen, die seiner Frau passen könnten, und sie damit in die Umkleide geschickt. Die war dann schnell überfordert und wollte nur noch heim.“ Er selbst ist da zwar nicht so innovativ wie der besagte Freund, aber hilflos ausliefern würde sich Petz heute auch nicht mehr: „Wenn meine Frau sagt, es geht los, rühre ich mich erst einmal nicht.“ Für den Fall, dass es dann mal wieder länger dauert, hat er sich im Flur eine kleine Bücherecke eingerichtet mit einem Sessel. Da blättert er dann den ein oder anderen Roman durch oder spielt an seinem Handy herum. Ist die Zeit des Aufbruchs endlich gekommen, steckt er sicherheitshalber immer ein Buch ein – man(n) weiß ja nie, ob vor der nächsten Umkleidekabine auch wirklich ein Leidensgenosse steht, mit dem man(n) die Zeit überbrücken könnte. Streng genommen lässt sich sagen, dank seiner Frau und seiner Tochter hat Petz seine Kontaktscheu überwunden. „Ich spreche inzwischen wahllos andere wartende Männer an“, sagt er. Und – welch’ Überraschung – „jeder Mann kann aus dem Stand Wartegeschichten erzählen. Aber die meisten scheinen zu glauben, dass dieses Wartenlassen nur eine besondere Spezialität ihrer Partnerin wäre.“ Petz glaubt, das sei „eine Art Verdrängung“. Deswegen hat er mit seinem Buch dieses Thema mal in den Fokus gerückt.

In 40 kurzen Kapiteln bringt er den täglichen Beziehungs-Wahnsinn so humorvoll und leicht rüber, dass sich nicht nur Männer darin wiedererkennen, sondern auch die (weiblichen) Wesen vom anderen Planeten. Petz selbst glaubt, dass ihn jetzt plötzlich alle Frauen nicht mehr warten lassen. Na ja, fast alle. Seine Tochter und seine Frau haben es irgendwie immer noch nicht so eilig.

Aber wehe, er trödelt mal. „Meine Frau ist ein überaus geduldiger Mensch“, erzählt Petz. „Aber sie warten zu lassen, macht sie rasend. Mich lässt sie ja auch nicht warten – oder jedenfalls nicht mit Absicht. Außer manchmal. Und dann ist es etwas anderes.“ Da geht es dann nämlich um die Romantik. „Wenn ein Mann auf eine Frau wartet, im Regen zum Beispiel, einen Blumenstrauß in der Hand, auch wenn das Gestrüpp dabei langsam zusammenfällt.“ Aber von Romantik verstehen die Kerle ja nichts. Auch das hat Petz nämlich längst verstanden.

Von Barbara Nazarewska

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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