Freche Flattermänner

- Wolkenkuckucksheim, irgendwo in der Pampa zwischen Athen und Olymp, zwischen Erdboden und Himmelreich. Ein Ort, zu dem sich die Menschen von jeher hinsehnen. Warum? Weil sie gerne Luftschlösser bauen, die Herrschaft der Götter und Unbeherrschtheit der Mitmenschen mitunter satt haben und sich ein gerechtes, friedliches Utopia erträumen. Aristophanes hat diesen Ort in seiner Komödie "Die Vögel" erschaffen. Und Regisseur Gunnar Petersen hat ihn für eine kühle Stunde in diesem ungriechischen Sommer im Innenhof der Glyptothek wiedererstehen lassen.

Als kauziges Vogelvolk kampiert sein bewährtes Ensemble aus dem Theaterzelt "Das Schloss" diesmal wieder zwischen antiker Wohlgeformtheit und modernen Fluggeräten, die am Premierenabend häufig den Luftraum über dem Königsplatz durchqueren. Etwa just dann, als vom wandelbaren Göttervater Zeus die Rede ist - heute erscheint er einmal in Gestalt eines technifizierten Vogels.<BR><BR>Drunten machen zwei Menschlein Revolution gegen ihn: Beles Adam als herrischer Pisthetairos und Sarah Schmidbauer als treudoofer Euelpides stiften die Vögel an, eine eigene Stadt zu errichten, den Göttern Einfluss und den Menschen die Saat wegzupicken. Und bald wird ein Lebenswandel à la Vogelwesen Trend bei den Menschen. Frech plustern sich die verführbaren Luftbewohner mit ihren Schnäbelhüten und Flügel-Rockschößen auf, stolz brüsten sie sich mit virtuosen Rufen aus ihren Kehlchen, aber brav und zumeist unkomödiantisch agiert dabei die ganze Vogelschar, trotz ihrer schönen, eckig-flinken Körpersprache.<BR><BR>Im Wettlauf mit der nur vorübergehend regenfreien Zeit spielen sie eisern gegen getrübte Sommerstimmung an und können diese mit dahergesagten Texten und ein wenig Geflattere nicht heben. Dazu hätte es etwas mehr Spielwitzes und komödiantischer Überspitzung bedurft.<BR><P>Bis 12. September, Tel. 089/300 30 13.</P>

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