Signalstörung: Verzögerungen auf der Stammstrecke

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Queen stellen Best of und Sänger vor

„Freddie wäre glücklich“

München - Brian May und Roger Taylor von Queen stellten das neue „Best of“-Album und ihren Sänger Adam Lambert vor.

Das alles hätte furchtbar schiefgehen können. Man kennt das ja: alternde Rockstars, die sich in Lederhosen zwängen, beim Headbangen die grauen Haare schütteln bis die Köpfe gefährlich rot anlaufen – und dabei nicht merken, dass sie Karikaturen ihrer selbst sind. Immer ein bisschen peinlich, immer ein bisschen traurig. Brian May und Roger Taylor, immerhin auch schon 67 und 65 Jahre alt, würden nie in diese Falle tappen. Mitglieder einer Band wie Queen, die sich mit der eigenen Endlichkeit in Hits wie „Who Wants To Live Forever“ schon in den Achtzigern auseinandergesetzt hat, die wissen, wann es Zeit ist aufzuhören. Und wenn man sie so plaudern sieht, dann ist klar: noch lange nicht.

May, dieser große Gitarrist, und Taylor, dieser Wahnsinns-Schlagzeuger, sitzen in einem Konferenzraum im Ritz-Carlton in Berlin. Das Pressegespräch an diesem verregneten Tag ist ein bisschen was von allem: Vorstellung des neuen Albums, Vorstellung einer neuen Tournee, Vorstellung eines neuen Freddie Mercury. Drei Lügen in einem Satz.

Zunächst einmal das Album: Wirklich neu ist „Queen Forever“ nicht. Die Doppel-CD vereint 33 bekannte Nummern der Band und drei bisher unveröffentlichte. Ein Sternschnüppchen Neuheit gemessen an dem schier unendlichen Kosmos von Queen-Hits also. Und doch eine kleine Sensation. Mercurys kräftige Stimme – vereint mit der eines daneben fast kindlich wirkenden Michael Jackson. Zwei ganz Große, die da gemeinsam „There Must Be More To Life Than This“ interpretieren, von William Orbit neu abgemischt.

„Wir haben ein paar Leute, die ständig in den Archiven suchen, was aus der alten Zeit gerettet werden kann. Und sie fanden diese Tapes von Michael und Freddie“, erzählt May. In Frack, Turnschuhen und einen Tick zu weit aufgeknöpftem Hemd, unter dem die Silberkette durch das Brusthaar blitzt, ist er zur Pressekonferenz gekommen. „Und wir dachten uns: Veröffentlichen wir diesen Schatz doch mit den Liedern von uns, die wir selbst sehr lieben“, erklärt er. „Lieder über die Liebe“, ruft Taylor dazwischen und lächelt verschmitzt. Taylor sieht noch immer ganz nach Rockstar aus: Lilafarbenes Samtsakko, Sonnenbrille, cognacfarbene Chelsea-Boots. Die neue CD sollte nicht nur Hits, sondern auch „unbekanntere“ Songs beinhalten. So unbekannt die bei einer Band wie Queen eben sein können. Das Resultat ist eine Sammlung der schönsten Liebeslieder, die die vier Briten je geschrieben haben.

Damit sind wir bei Lüge Nummer zwei: die neue Tournee. Genau genommen ist es die europäische Fortsetzung einer erfolgreichen Konzertreihe, die die Musiker in den vergangenen drei Jahren durch Amerika, Australien und Asien führte. Das Problem auch hier: die Setlist. Es sind einfach zu viele Lieder, die sie spielen könnten. May: „Dass wir so viele Hits haben, liegt daran, dass wir immer über normale Menschen, über jedermanns Träume geschrieben haben.“ Und natürlich liege es an Freddie. „Er konnte jeden berühren. Und nun haben wir wieder so jemanden gefunden“, sagt er lächelnd – und schaut rüber zu dem jungen Mann, der da neben ihm und Taylor sitzt.

Adam Lambert heißt der, Zweitplatzierter in der US-Castingshow „American Idol“, in Deutschland durch seinen Song „Whataya Want From Me“ bekannt. Er sieht aus wie ein junger George Michael: schwarze Haare, spitze Nase, akkurat gestutzte Augenbrauen und Barthaare. Der neue Freddie Mercury? Der 32-Jährige, der Queen bei der Tour begleitet, winkt ab: „Freddie war einzigartig, eine Ikone. Es wird nie wieder einen Freddie Mercury geben.“ Wenn er Mercurys Songs singt, dann mit dem Anspruch: „Ich möchte der Erinnerung an Queen Respekt zollen.“ In den goldenen Jahren, als die Lieder herauskamen, sei alles neu und frisch gewesen. Sie heute zu spielen, habe eine ganz andere Energie: „Du siehst auf den Gesichtern der Zuschauer, wie Erinnerungen wach werden. An Momente, in denen sie diese Lieder begleiteten. Auf Hochzeiten, bei Sportereignissen, auf Autofahrten.“

Die Legenden neben ihm nicken energisch. Ein bisschen ist’s, als säßen da zwei besonders coole Großväter mit ihrem etwas ausgeflippten Enkel. Ganz viel Respekt füreinander ist zu spüren. May spricht es offen aus: „Adam ist wie ein Geschenk von Gott, wirklich.“ Er und Taylor, beide musiksüchtig, sie können nun wieder raus auf die Bühnen: „Ich dachte, so eine Tour könnten wir nie wieder machen. Wenn wir Adam nicht gefunden hätten, hätten wir es auch nicht.“ Dann sagt Taylor einen Satz, auf den Lambert mit einem gerührten „Oooh“ reagiert: „Wir werden mit niemand anderem mehr arbeiten, nachdem wir mit dem großartigen Adam gearbeitet haben.“

Im Februar kommen sie nach München. Ist da nicht auch Wehmut, an diesem für die Band so wichtigen Ort, an dem sie gelebt und gearbeitet haben, zu spielen? May: „Natürlich ist da auch Traurigkeit. München ist wie ein zweites Zuhause für uns. Aber Freddie ist immer bei uns. Es gibt keinen Moment, in dem ich denke, er wäre nicht stolz auf das, was wir tun. Ich glaube, er wäre glücklich zu sehen, dass diese Maschine weiter läuft. Dass seine Lieder weiter in die Welt klingen.“

Katja Kraft

Queen

„Queen Forever“ (Universal).

Queen und Adam Lambert spielen am 2. Februar 2015 in der Münchner Olympiahalle. Telefon 01806/ 57 00 00.

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