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Fredl Fesl erhielt am Sonntag im Münchner Volkstheater den „Großen Karl-Valentin-Preis“ – und ein altes Türschloss von Kabarettist Gerhard Polt.

Fredl Fesl erhält den Großen Karl-Valentin-Preis

München - Es ist sein Triumph. Und damit ist zunächst einmal nicht der Große Karl-Valentin-Preis gemeint, den Fredl Fesl am Sonntag aus den Händen von Gerhard Polt und der Biermösl Blosn, den Preisträgern aus dem Jahr 2007, entgegennehmen durfte.

Klar, dass auch diese Auszeichnung ihn freut. Fredl Fesls großer Triumph aber ist, dass er überhaupt zu seiner Ehrung im Münchner Volkstheater hat kommen können.

Denn noch in der vergangenen Woche lag der 62 Jahre alte Liedermacher aus Niederbayern in einem Kölner Krankenhaus: Fesl leidet seit 1997 an der Schüttellähmung Parkinson, seit vier Jahren tritt er deshalb nicht mehr auf. Etwas Hilfe sollte ein sogenannter Hirnschrittmacher bringen, den der Künstler sich Ende des vergangenen Jahres hat einpflanzen lassen. Nach einer kurzzeitigen Verbesserung wurde Fredl Fesls Zustand in den vergangenen Wochen dann jedoch wieder schlechter. Das Gerät arbeitete offenbar nicht so, wie Fesl, seine Familie und sein Arzt es sich erhofft hatten. So war auch lange unklar, ob er den Großen Karl-Valentin-Preis überhaupt wird entgegennehmen können.

Er konnte! Doch musste Alfred Fesl – wie er eigentlich heißt – wegen seiner Krankheit, mit der er immer offensiv umgegangen ist, auf eine Dankesrede verzichten. Der Preis, den der Schriftsteller und Valentin-Biograf Alfons Schweiggert initiiert hatte, erinnert an das Münchner Komik-Genie Karl Valentin (1882–1948) und ist entsprechend valentinesk: Er besteht aus absolut nichts – was weltweit einzigartig ist. Kabarettist Gerhard Polt überreichte Fesl dennoch ein altes, verrostetes Türschloss – damit der Preisträger nicht mit leeren Händen nach Hause gehen musste. Mit dieser Auszeichnung, die im Jahr 2007, zu Karl Valentins 125. Geburtstag, erstmals verliehen wurde, werden Persönlichkeiten geehrt, „die in der Nachfolge Karl Valentins herausragende künstlerische Leistungen vorweisen und die zur genialen Persönlichkeit Valentins und dessen Werk eine enge Beziehung haben“.

Fredl Fesl kam erst relativ spät zur Musik. Er arbeitete zunächst als Schmied und trat als Gewichtheber für den ESV München Ost in der zweiten Bundesliga an. „Mit aller Kraft habe ich mich gegen die Karriere als Musiker gewehrt“, verriet er vor drei Jahren einem Kollegen. Zwischen den Jahren 1976 und 1993 erschienen seine sechs Alben, die lediglich seinen Namen tragen und durchnummeriert sind. Es sind bayerische Volkslieder im besten Sinne, zu den bekanntesten gehören „Der Königjodler“, das „Taxilied“ oder der „Anlass-Jodler“ – hinterkünftig, wortakrobatisch, immer humorvoll. Lieder, die er – ebenso wie seine Conférencen – nicht mehr auf einer Bühne vortragen will.

Und dennoch feierte Fredl Fesl gestern einen Triumph.

Michael Schleicher

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