Hinter einem Glas mit Einschussloch sind Bodyguard David Budd (Richard Madden) und Innenministerin Julia Montague (Keeley Hawes) zu sehen.
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Beziehung mit Spannung: David Budd (Richard Madden), einst Polizist in London, wird der neue Bodyguard von Innenministerin Julia Montague (Keeley Hawes).

Die BBC-Produktion „Bodyguard“ lief bislang nur bei Netflix

Free-TV-Premiere: Das ZDF zeigt die Serie „Bodyguard“

  • Michael Schleicher
    vonMichael Schleicher
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„Bodyguard“ heißt die spannende BBC-Serie, die bei uns bislang nur bei Netflix zu sehen war. Nun zeigt das ZDF die Produktion als Free-TV-Premiere.

  • „Bodyguard“ ist eine sechsteilige BBC-Serie, die bislang bei Netflix zu sehen war.
  • Nun zeigt das ZDF die Produktion als Free-TV-Premiere.
  • Die Hauptrolle spielt Richard Madden („Game of Thrones“).

Wenn Sie bei „Bodyguard“ an den herrlichen Schmachtfetzen mit Whitney Houston, Kevin Costner und dem minimal pathetischen Soundtrack denken, ist das naheliegend. Doch am Montag, 1. Februar, zeigt das ZDF um 22.15 Uhr die ersten Teile der gleichnamigen BBC-Serie – und dieser „Bodyguard“ ist sehr viel spannender, realistischer und verzwickter als das Melodram von 1992.

„Bodyguard“ läuft im ZDF als Free-TV-Premiere

Im Zentrum der sechs Teile (das Zweite zeigt am 1., 8. und 15. Februar jeweils zwei Folgen als Doppelpack) steht der Londoner Polizist David Budd. Nachdem es ihm auf der Fahrt in die britische Hauptstadt gelingt, eine Selbstmordattentäterin zum Aufgeben zu zwingen, sodass ihre Sprengladung entschärft und ein Zugunglück verhindert werden kann, wird er zum Personenschützer der Innenministerin befördert. Mit großem Gespür für die beengten Verhältnisse in einem Waggon ist dieser Auftakt gefilmt. Zudem beweisen die Regisseure Thomas Vincent und John Strickland, wie geschickt sie Spannung aufbauen – und halten können.

Denn nichts anderes tun sie: Wie alle Serienhelden ist auch David eine gebrochene Figur. Der Schotte kämpfte in Afghanistan, kehrte mit posttraumatischen Belastungsstörungen zurück, von denen seine Vorgesetzten kaum etwas ahnen. Ohne Beschönigung, vor allem ohne Klischees, erzählt Jed Mercurio von diesem Leiden. Man darf davon ausgehen, dass es sich hier um eine Herzensangelegenheit des „Bodyguard“-Erfinders und Autors handelt: Der 54-Jährige war Offizier der Royal Air Force.

Blutig, aber gut: Unter der Decke trägt David (Richard Madden) Sprengstoff. Er wurde reingelegt. Oder?

Seine Hauptfigur schickt er nun in ein enormes Dilemma. „Wenn du jemals neben einem der Bastarde stehen würdest, die uns da rausgeschickt haben, würdest du dann einfach den Abzug drücken?“, wird an einer Stelle gefragt. Ja, David ist getrieben von einer enormen Verzweiflung, von der Wut auf die Politiker, die aus ihren sicheren Büros heraus Menschen wie ihn in einen unberechenbaren Kampf beordert haben. Zugleich soll er aber ausgerechnet die Innenministerin schützen, die nie müde wird zu betonen, wie notwendig Auslandseinsätze für Großbritannien seien. Wir ahnen, dass sie sich auch einen Karriereschub von dieser Haltung verspricht.

Richard Madden wurde durch „Game of Thrones“ bekannt

Um diesen Konflikt gruppieren die Macher weitere: Da geht es um Kompetenzgerangel und politisches Fortkommen, um Kameradschaft und Liebe, um Loyalität und Verrat. All das überfrachtet diese Serie jedoch nicht, sondern nimmt das Publikum immer stärker gefangen in einer Geschichte, bei der selbst jeder vor dem Bildschirm sich mindestens einmal fragen wird, wem noch zu trauen ist. Das gilt auch für David Budd, dem Richard Madden („Game of Thrones“) eine enorme physische Präsenz verleiht, die jedoch immer brüchiger zu werden scheint. Diese Rolle passt zu dem Schotten wie die schusssichere Weste zu seinem Personenschützer – kein Wunder also, dass seine Leistung mit einem Golden Globe geehrt wurde.

Zudem zieht diese Produktion, die in Deutschland zunächst beim Streamingdienst Netflix lief, ihre Faszination daraus, dass sie sich der Arbeit im Personenschutz mit Respekt und Gewissenhaftigkeit nähert. Trotz aller dramaturgischen Zugeständnisse und jenseits aller „I will always love you“-Liebelei zeigt dieser „Bodyguard“ also auch eine Welt, in der in jedem Blumenstrauß eine Waffe versteckt sein kann – und im Salzstreuer ein Aufnahmegerät. Und während die Mächtigen tagen, warten vor der Tür jene, deren Pflicht es ist, sie zu schützen.

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