Freie Hand

- Das erste Gefühl ist Beklemmung. Dicke Betonwände, schwere Eisentüren, enge Treppen und fensterlose Räume: Der Hochbunker in der Münchner Claude-Lorrain-Straße, Baujahr 1941, erinnert fatal an das Leid und die Angst des Krieges. Hier sollen einmal Wohnungen entstehen? Und bis zum Baubeginn im Herbst soll hier Kunst einen öffentlichen Raum finden?

<P>Das Projekt des Architekturbüros Uwe Binnberg und des Bildhauers Christoph Nicolaus ist gewagt. 40 Künstler haben sie eingeladen, in den nächsten vier Monaten jeweils von Donnerstag bis Sonntag mit Installationen, Konzerten, Filmen, Tanz, Theater, Literatur und Ausstellungen das historische Gebäude umzufunktionieren und Hemmschwellen abzubauen. Von den Eintrittskarten wird je eine Euro einer Kinderhilfe zugute kommen.<BR><BR>Der Verkauf des Bunkers war im Stadtrat umstritten, das Gebäude gilt als erhaltenswert. Binnbergs Umgestaltung ist gerade in der Genehmigungsphase: Er will die Fassade des achteckigen Turms später einmal auf einer Breite von acht Metern mit Glasfenstern öffnen, zwei Stockwerke in lichter Stahl-Glas-Manier mit Panoramablick aufsetzen und innen frei gestaltbare Grundrisse anbieten. Bis dahin ist es ihm "eine Freude zuzusehen, was passiert": Die Künstler haben freie Hand, die finanziellen Mittel sind in der Gesamtinvestition enthalten.<BR><BR>Start der wöchentlichen Aktionen ist heute (19 bis 1 Uhr): Christina Ruf installiert auf drei Stockwerken zum ersten Mal ihre virtuelle U-Bahn-Fahrt, wo sich jeder Besucher seinen Anschluss auf den Gängen, seine Hörerlebnisse in den Wartesälen und auf den Sitzen via Kopfhörer, seine Pausen am Kiosk sucht. Modernen Zeitbegriff und imaginäres Reisen thematisiert sie im historischen Gebäude. Gleichzeitig fängt Christoph Nicolaus seinen "Museumsbesuch" an: 120 Tage lang projiziert er im ständigen Wechsel Daten und Titel von Kunst-Ikonen.</P><P>Programm und Infos unter Tel 089/48088635 und im Internet unter www.kunst-bunker.de<BR></P>

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