Freigeist mit Idealen

- Er plädierte in den 60er-Jahren für die 40-Stunden-Woche - damit die Leute mehr Zeit zum Lesen hätten. Eine Fernsehaufnahme dokumentiert dieses Plädoyer, das die Persönlichkeit dieses Verlegers so gut umreißt: Giangiacomo Feltrinelli, ein Freigeist mit kommunistischen Zielen und intellektuellen Idealen. Er wurde 1926 in eine der reichsten italienischen Familien geboren, gründete 1948 ein Archiv zur Arbeitergeschichte und 1954 seinen eigenen Verlag, in dem er Boris Pasternaks "Doktor Schiwago" und Giovanni Tomasi di Lampedusas "Il Gattopardo" herausbrachte. Er war einige Jahre Mitglied der Kommunistischen Partei und schloss sich einer Gruppe an, die gegen einen drohenden Militärputsch kämpfte. Beim Basteln einer Bombe, die einen Hochspannungsmast zerstören sollte, kam der erfolgreiche Verleger 1972 zu Tode. Ob durch einen Unfall oder einen Anschlag, wurde nie geklärt.

<P>Das Münchner Literaturhaus zeigt im Rahmen der Italien-Tage "Va bene" (14. bis 16. Juli) die Ausstellung "Giangiacomo Feltrinelli. Verleger und Revolutionär", die bereits zu seinem 30. Todestag in Zürich konzipiert worden ist. Eine Schau, die neben der schillernden, kompromisslos erscheinenden Lebensgeschichte Feltrinellis auch die politische Entwicklung vom Nachkriegs- bis zum Berlusconi-Italien in den Mittelpunkt rückt. </P><P>Am reizvollsten zwischen gut strukturierten Foto-Stellwänden und plärrenden Monitoren mit Video-Dokumenten sind die Briefzeugnisse, die leider - wie etwa ein Schreiben von Che Guevaras Vater an den Feltrinelli-Verlag - nicht alle übersetzt sind. Günter Grass etwa wirft seinem italienischen Verleger "spätpubertäre Symptome" seiner politischen Ideen vor. Feltrinelli, der den mit Abwanderung drohenden Grass doch halten konnte, entgegnete: "Über Politik kann man reden und raufen, auch zwischen ,Spätpubertären und Frühsenilen".</P><P>Bis 23. Juli. Mo-Sa, 11-19 Uhr.</P>

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