Freiheit, Gleichheit und so weiter

- Vom Blitzstart als italienischer Schlager-Star beim Festival von San Remo 1961 über Giorgio Strehlers profilierte Brecht-Weill-Interpretin zur international gefeierten "Milva" - das ist der steile Aufstieg der Maria Ilva Biolcati aus dem Provinznest Goro bei Ferrara. Und ihre Karriere ist sicher noch nicht zu Ende. Stimme und charismatische Bühnenpräsenz, das ist ja alles noch hundertprozentig da.

<P>Aber dass sie sich nur noch dieses letzte Mal den Stress einer großen Tournee antut, glaubt man ihr. Also volle Münchner Philharmonie und am Ende Blumen und Jubel.<BR><BR>Wie sie sich bewegt, mit einer jugendlich tänzerischen Eleganz im Understatement ihres schwarzen Hosenanzugs, später im schulterfreien Abendkleid, über das sie auch mal lässig ein Gedicht von einem nachtblauen, Strassknopf-besetzten Seiden-Trench wirft, wie sie Weill/ Brechts "Mackie-Messer" hochkomödiantisch hinlegt - da wischt sie doch die 65 einfach weg. Und immer noch diese voll wallende rote Mähne, die zum Symbol auch ihrer politischen Einstellung geworden ist.<BR><BR>Milva "La Rossa" wird zwar ihrem Programmversprechen "All meine Lieder von Liebe" mit ihrer kraftvoll französisch geschmetterten Piaf-Hommage ("Non, je ne regrette rien", "Milord") am Ende gerecht. Und auch in dem ein oder anderen Text der italienischen Dichterin Alda Merini (auf der CD von 2004), vertont von ihrem mediterran löwenmähnigen Duett-Partner Giovanni Nuti, ist von Gefühlen die Rede. Das Sieben-Mann-Orchester geht flexibel mit sattem Klang auf jede Gefühlsnuance ein.<BR><BR>Bewunderung und Respekt</P><P>Aber stärker ins Gewicht fällt an diesem Abend - ohne plakativen Verweis in ihrer charmant italo-deutsch gemixten Moderation: die Liebe zur Freiheit. In "Freiheit, Gleichheit und so weiter", "Ich hab' keine Angst", in all diesen deutsch gesungenen Liedern von Theodorakis, Vangelis, Morricone, Maffay, fast alle zu Texten von Thomas Woitkewitsch, und im bekannten "Die Gedanken sind frei" ist sie der Prototyp der emanzipierten u n d politisch denkenden Frau. Man traut ihr, die in Berlusconis sechs Fernsehkanälen Auftrittsverbot hat, ein anvisiertes aktives Engagement in der Politik zu. Wenn sie zum Mitklatschen oder Mitsingen animiert, folgt ihr das Publikum - auf eine erstaunlich dezente Weise. Man bewundert Milva, die Sängerin, die immer noch feminin-erotische Darstellerin. Aber man zollt ihrer Persönlichkeit, ihrer natürlichen Autorität auch Respekt.</P>

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