Freiheit und Liebe im Chiemgau

- Das Internationale Musik Festival im Chiemgau Gut Immling ist seit acht Jahren bekannt für seine im wahrsten Sinne des Wortes einfache und natürliche Atmosphäre, die jungen Künstlern Kreativität ermöglicht. Die herrliche Lage der zum Theaterraum mutierten Reithalle auf den Hügeln zwischen Bad Endorf und Halfing - phänomenal der Sonnenuntergang - ist ein geradezu idealer Ort für die Aufführung der Eigenproduktion von Beethovens "Fidelio", der Oper, die Freiheit und Liebe zum Thema hat. Die bekanntermaßen schwierige Aufgabe, "Fidelio" szenisch umzusetzen, hat sich Regisseurin Eszter Szabó´ allerdings noch mehr kompliziert, indem sie Beethovens Oper mit von zwei Schauspielern (Susanne Schroeder und Ulrich Zentner) gesprochenen Texten aus dem Roman "Liquidation" vom Imre Kerté´sz vermischt. Offenbar ist es ihr eine Herzensangelegenheit aufzuzeigen, dass der Glaube an die eheliche Liebe unvernünftig und romantischer Unsinn ist.

<P>In erster Linie leidet diese Inszenierung an Überfrachtung mit Einfällen. So erinnern zum Beispiel die Kostüme des Gefangenenchors einerseits an die Guantá´namo-Häftlinge, andererseits wird diese politische Regie-Idee durch das verspielte und alberne Auftreten der Gefangenen beim Freigang relativiert. Kerkermeister Rocco, Marzelline und Jaquino (Wolfgang Probst, Cornelia Ptassek und Philippe Do) sind in Grün gewandet wie ein Gärtnertrupp und Pizarro (Bernd Gebhardt) meistens in SS-Schwarz; manchmal trägt er noch einen Hahnenkopf, damit auch dem letzten Zuschauer die Symbolik klar werden soll. Auch die Bühne von Wiebke Horn, die zudem die Kostüme entwarf, ist zu sehr mit Zitaten und Symbolik überfrachtet. Übrigens erinnert die Farbsymbolik der Kostüme stark an eine Fidelio-Inszenierung von Sté´phane Braunschweig und Barberio Corsetti aus dem Jahr 1995.</P><P>Einer Produktion kann nichts Schlimmeres passieren, als dass einer der Protagonisten kurz vor der Premiere indisponiert ist. Pizarro Bernd Gebhard wurde von diesem Schicksal ereilt, doch die Notlösung war fantastisch. Er spielte die Szene, und Thomas Gazheli (der Wotan der Festspiele in Erl 2004) sang aus dem Orchestergraben heraus energisch-kraftvoll die Partie. Eine wunderbare Synchronleistung. Zudem gab der durch die Organisation zu stark in Beschlag genommene Intendant Ludwig Baumann seine Rolle des Don Fernando an Jaceck Janiszewski ab. Eine Entdeckung: der farbenreiche und wunderbar flexible Sopran von Cornelia Ptassek als aufmüpfige Girlie-Marzelline. Amanda Mace überzeugte als Leonore mit makellosem Timbre und John Keyes in der Partie des Florestan mit souveräner Entschiedenheit. </P><P>Heiko Matthias Förster dirigierte seine Münchner Symphoniker mit Feingefühl rücksichtsvoll gegenüber dem Sängerensemble, störend waren nur einige Misstöne der Hörner und die zusätzlichen Pausen für die eingestreuten Sprechertexte.</P>Weitere Vorstellungen: 22. 7., 30. 7., 31. 7., Karten unter Tel. 0180/ 50 46 654.

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