Freiräume hinter den Kulissen

- Was man aus einer alten Motoren-Fabrik so alles machen kann: Eine Disco im Kleinformat, eine Stück Wohnzimmer, einen Parkplatz, eine Industriehalle - und das alles gleichzeitig. Die Münchner lothringer 13, seit 1980 städtische Ausstellunsgfläche, besinnt sich gerade auf ihre räumlichen Wurzeln. Vier Künstler nehmen Bezug auf die industrielle Nutzung, verwandeln aber das Areal in lauter kleine "changing rooms", Umkleidekabinen für die Architektur und ihre Funktion sozusagen.

<P>"Nightpower", die Schatten und Lichter und Kräfte der Nacht inszeniert Tom Früchtl: Sein aufwändiger Einbau wird beherrscht durch eine Discokugel. Die Glanzlichter sind auf die schwarzen Wände schon gemalt: flüchtig und dynamisch. Die Abbildung des Lichts im "Black cube" als Hinterfragung eines Ausstellungsraumes ergibt hier einen wunderbaren Einschub in die Hallenstruktur mit akzentvollem Ausrufezeichen.<BR><BR>Anders Martin Schmidt. Er bezieht sich auf das vorkünstlerische Stadium der Halle: Er hat eine Parkfläche in den Raum integriert; Smart, Fiat und Ente teilen sich die Plätze. So selbstverständlich wie das Ganze aussieht, so irritierend ist das Wechselspiel von Außen- und Innenraum mit minimalistischen Mitteln.<BR><BR>Aylin Langreuter hat ihren Raum auf Wohnzimmerformat gebracht: Einziges Gestaltungselement ist ein tiefroter Plastik-Lamellenvorhang. Er liefert ein sehr dekorativ-grafisches Element, das die kühle Architektur in ein glühendes "Abendlicht" taucht. </P><P>Wenn hier wohnliches Design zur Veränderung führt, so setzt Monika Kapfer ganz auf das Thema Fabrik. Ketten, Ständer, Tischteile, Sockel, Röhren zumeist aus Pappe verdichten den Charakter. Wer dann, angeregt von den Installationen der Münchner Künstler, sein eigenes Spiel mit der lothringer treiben will, dem stehen alle Freiräume hinter den Kulissen offen.</P><P>Bis 2. Mai, Tel. 089/4486961<BR></P>

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