Von Freistaat zu Freistaat

- Sachsens Gloria gehuldigt aus dem Münchner Prinzregententheater, sozusagen von Freistaat zu Freistaat. Nicht alle Tage kommt man in diesen Kunstgenuss, der dem Münchener Bach-Chor und seinem jüngsten Programm mit Bachs weltlichen Kantaten zu danken ist.

<P>Ein außergewöhnliches Konzert, denn erstmals in seiner Geschichte wurde der Chor von einem Originalklang-Ensemble begleitet, dem Barockorchester "L'arpa festante". Unter Leitung von Ralf Otto, dem Wunschkandidaten in der Nachfolge von Karl Richter und Hans-Martin Schneidt, der übrigens fast die komplette Jubiläums-Saison "50 Jahre Münchener Bach-Chor" dirigieren wird, gab es zudem eine zweite Neuerung: Er ließ in kleiner Besetzung mit nur 39 Stimmen singen, entsprechend dem aktuellen Stand der musikwissenschaftlichen Bach-Interpretation.<BR><BR>Geschadet hat das dem Konzert nicht, denn auch in dieser schlanken Besetzung bewies der Chor Flexibilität und hohes Niveau, auch hat der Sopran inzwischen an Qualität gewonnen. Es mutet bisweilen kurios an, die Musik des Weihnachtsoratoriums unter ihrem Originaltext in der Kantate "Tönet, ihr Pauken!" BWV 214 zu hören: "Blühet ihr Linden in Sachsen, wie Zedern" anstelle des Preischores "Herrscher des Himmels, erhöre das Lallen". Bach schrieb sie ursprünglich als Geburtstagsständchen für die Kurfürstin zu Sachsen und polnische Königin Maria Josepha.<BR><BR>Die Solisten des Abend - Julia Kleiter, Sopran; Barbara Arneke, Alt; Daniel Pohnert; Tenor und Harald Martini; Bass - konnten sich vor allem in der Kantate, BWV 205 "Der zufrieden gestellte Äolus" entfalten. Hier sind dem Chor die Ecksätze vorbehalten, während die Soli im Dialog die Geschichte präsentieren. Ein homogenes Ensemble. Umrahmt von den beiden Kantaten stand die Orchestersuite Nr. 3, D-Dur, BWV 1068 noch auf dem Programm, die Ralf Otto im Tempo wohldosiert und zupackend dirigierte.<BR></P><P> </P>

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