Nur die Freude

- Sie sind die berühmtesten Verpackungsexperten der Welt, aber bunten Päckchen unter dem Weihnachtsbaum können sie nichts abgewinnen. "Wir verpacken unsere Geschenke nicht", erklärten Christo und Jeanne-Claude bei einer so genannten Lecture in Passau. Das New Yorker Paar sprach über den Sinn von Kunst, über seine spektakulären Aktionen und über gescheiterte Projekte.

Voller Energie traten die beiden 70-Jährigen auf, blieben auf der Bühne immer in Bewegung und bewiesen viel Humor. So demonstrierte Christo - in seinen typisch grauen, verknitterten Parka gekleidet - an zwei länglichen Mikrofonhaltern die Geheimnisse eines Bildhauers bei der Erschaffung eines Werkes.

Zuletzt hatten Christo und Jeanne-Claude in ihrer Heimatstadt den Central Park in eine riesige Installation verwandelt. Auf 37 Kilometern Länge ließen sie 7500 goldene Tore ("Gates") aufbauen, vier Millionen Menschen spazierten Anfang 2005 binnen 16 Tagen durch sie hindurch. Trotz der gigantischen Dimension solcher Projekte - die beiden Kreativen scheren sich selbst kaum um die Außenwirkung. "Wie alle Künstler machen wir das für uns selbst", sagte Jeanne-Claude.

"Wenn andere Menschen unsere Projekte gut finden, dann ist das nett. Aber das ist nicht der Grund, warum wir sie machen." Es gehe einfach "um Freude und Schönheit - nichts sonst". Die Welt könne auch ohne "The Gates" existieren, ergänzte Christo. "Kein Mensch braucht diese Projekte, nur wir brauchen sie." Die Künstler waren zur Eröffnung von drei Ausstellungen im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Menschen in Europa" der Verlagsgruppe Passau nach Niederbayern gekommen. Bis Ende November werden im Museum Moderner Kunst, im Passauer Medienzentrum sowie in der St.-Anna-Kapelle in der Dreiflüssestadt Ausstellungen mit Skizzen von Christo und Fotos der bisherigen Projekte gezeigt. Der Besuch des Künstlerpaares in Passau war in diesem Jahr sein einziger öffentlicher Auftritt in Europa.

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