Boten bei „Bohème“ Brillantes: Angela Gheorghiu als Mimi und Joseph Calleja als Rodolfo. Foto: Wilfried Hösl

Die Freude der Stars

München - Die  Münchner Opernfestspiele zeigen „La bohème“ mit Angela Gheorghiu und Joseph Calleja. Lesen Sie hier die Kritik:

Für die internationalen Sängerstars, die exklusiv für einzelne Aufführungen von den großen Häusern weltweit gebucht werden, ist die Münchner Otto-Schenk-„Bohème“ im Nationaltheater gewiss eine wahre Freude. Man kann sich praktisch ohne Probe in diese Inszenierung von 1969 werfen. Die Künstler-Mansarde, das Café Momus samt Hundertschaft Statisten oder das dunkle dritte Bild im Schneenebel nehmen einen wunderbar an die Hand. Man könnte meinen, Puccini hätte beim Komponieren seiner unsterblichen Musik diese Bilder vor Augen gehabt.

Diese Freude war den Stars des Abends, Angela Gheorghiu (Mimi) und Joseph Calleja (Rodolfo), deutlich anzuhören. Der aus Malta stammende Tenor hat in den letzten Jahren noch mal deutlich zugelegt, sein Timbre ist zwar noch leicht metallisch-nasal, aber die Melodieführung ist runder, die ersten Töne kommen klar und ohne Schluchzen, und vor allem die Höhe fasziniert durch eine unangestrengt-abgefeuerte, schimmernde Helligkeit.

Das passte wunderbar zur Stimme der rumänischen Sopranistin, die der Mimi von Beginn an etwas Verletzliches, Fragiles abgewann. Dabei hielt sich Gheorghiu nobel zurück, ließ nur selten erahnen, zu welch Durchschlagskraft sie fähig ist und überzeugte überwiegend durch eine erfreulich geerdete Stimmfarbe. Auch darstellerisch nahm man den beiden jede Bewegung ab – nicht zuletzt aufgrund einer gelungenen Gesamtleistung.

Unter den drei Künstlerfreunden stach der wunderbar spielfreudige Marcello von Levente Molnár heraus, der mit seinem kräftigen Bariton und ausgezeichneter Textverständlichkeit die Szene zu beherrschen wusste. Am Pult stand der aus Israel stammende Dan Ettinger, der seine Aufgabe anfangs etwas zu locker nahm und so manchen Einsatz verwackelte. Aber dann lotste er das tadellose Staatsorchester sowie die Sänger  solide durch die Partitur.  Tosender, langer Beifall.

Johann Jahn

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Herbert Blomstedt: „Mein Alter ist nur eine Zahl“
München - Herbert Blomstedt, ältester aktiver Dirigent, ist wieder einmal zu Gast beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Der gläubige Adventist, der am 11. …
Herbert Blomstedt: „Mein Alter ist nur eine Zahl“
Jake Gyllenhaal: „Neugierde ist mein stärkster Antrieb“
Schwuler Cowboy („Brokeback Mountain“), persischer Prinz („Prince of Persia“) oder muskelbepackter Boxer („Southpaw“) – Jake Gyllenhaal, 36, hat ein Gespür für …
Jake Gyllenhaal: „Neugierde ist mein stärkster Antrieb“
Ed Sheeran in der Olympiahalle: Der Junge mit der Gitarre überzeugt
München - Am Montagabend gastierte Ed Sheeran in der ausverkauften Münchner Olympiahalle. Wir waren dabei und sind der Meinung: Der Junge mit der Gitarre überzeugt!
Ed Sheeran in der Olympiahalle: Der Junge mit der Gitarre überzeugt
Interview zum „Lommbock“-Start: „Uns ist die Fallhöhe bewusst“
„Lammbock“, das ist für viele eine Reise zurück in die Jugend. Der Kifferfilm von Christian Zübert hat Kultstatus. Nun kommt die Fortsetzung in die Kinos – und …
Interview zum „Lommbock“-Start: „Uns ist die Fallhöhe bewusst“

Was denken Sie über diesen Artikel?

Kommentare