Freudentänze und gemischte Gefühle

- Die Stadt München wird die Entwicklung und Qualifizierung zeitgenössischer Tänzer bis 2010 jährlich mit 100 000 Euro unterstützen. Das beschloss der Kulturausschuss in seiner gestrigen Sitzung. Groß war da der Jubel von Referentin Lydia Hartl (parteilos) und Thomas Niederbühl (Rosa Liste), der gar "Grund für einen Freudentanz" ausmachte.

Die "stiefmütterlich behandelte" Kunstform werde so bedeutend aufgewertet, sagte Hartl. Weitere 50 000 Euro des Freistaats Bayern für "Access to dance" seien zugesagt, aber noch nicht überwiesen.

Hintergrund der Offensive ist der "Tanzplan Deutschland" der Bundeskulturstiftung. München hatte sich dort mit dem Konzept "Access to dance" beworben, das der eigens gegründete Verein Tanzbasis München entwickelt hatte. Der Bund teilte mit, dass man München mit 440 000 Euro bedenke - allerdings nur für einen Teil des Konzepts, für "Tanz und Schule" und "Tanz und Wissenschaft". Nun springt die Stadt in die Bresche, um den "Rest" des Konzepts zu unterstützen, der sich mit den Tänzern und der Qualität ihrer Kunst befasst.

Die Tanzbasis betreibt mit ihrem Konzept eine "Doppelstrategie": einerseits internationale Künstler und Produktionen an die Isar holen, andererseits hiesige Künstler, bei denen entsprechendes Potenzial vorhanden ist, an den internationalen Kontext heranführen. Mehr Austausch innerhalb der Tänzer, ist ein weiteres Stichwort. Dies könne in Workshops, Vorträgen und Forschungsprojekten geschehen. Am Beginn der Arbeit soll eine Art lokale Plattform namens "Made in Munich" stehen, bei der internationale Aufmerksamkeit für Tanz aus München erzeugt werden soll.

Kritik hatte es von der PDS gegeben. Die hatte moniert, dass für "Access to dance" das mit 8000 Euro dotierte Weiterbildungsstipendium gestrichen wird. Hartl sagte dazu, Förderung sei mit dem neuen Konzept viel besser möglich.

Auch in der freien Szene sorgt "Access to dance" für Unmut. In der "Tanzbasis" sitze kein einziger aktiver Tänzer - dafür Veranstalter wie Walter Heun von "Joint Adventures", das Organisation und Programmierung übernimmt, und Dietmar Lupfer, dessen Muffathalle zentraler Aufführungsort der "Access to dance"-Veranstaltungen sein soll. "Es waren alle eingeladen", erwiderte Hartl. Wer sich nicht beteiligt habe, sei somit selbst schuld. Der Verein sei ein "repräsentativer Querschnitt der Tansszene".

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