Freundlicher Kobold

- Was immer Angelo Branduardi da in der Münchner Philharmonie vermitteln wollte, es ist ihm nicht recht gelungen. Es war der Versuch, aus seinem fünf Jahre alten Album "L'Infinitamente piccolo" eine Art Renaissance-Musical zu machen. Seinerzeit hatte er, gestützt auf mittelalterliche Lyrik, wunderschöne Lieder zum Leben des heiligen Franziskus verfasst.

Nun wollte der verdiente Grenzgänger Branduardi auf Grundlage dieser Lieder an die Ursprünge des modernen Theaters erinnern.

Das entstand in Italien, als die Texte religiös geprägter Volkslieder mit Tänzen und gespielten Szenen illustriert wurden. So ließ also Branduardi bemühte Darsteller etwas beliebig Episoden aus dem Leben des heiligen Franziskus nachspielen und kommentierte das mit seinen Liedern.

Aber das Konzept scheiterte an der Richtungslosigkeit des Gezeigten. Ohne jede Innovation wurde christliche Erbauungslyrik dargeboten. Ab und an hüpfte Branduardi dazu wie ein freundlicher Kobold auf dem Weg in den Zauberwald durch die Szenerie. Das passte freilich wiederum recht gut zu den Tanzeinlagen insgesamt, bei denen man vermuten musste, dass sie von einer Selbsthilfegruppe unmusikalischer Grobmotoriker ersonnen wurde, um diese Kunstform zu diskreditieren.

Erst bei der Zugabe, als Branduardi ganz allein mit seiner Gitarre den Morgenstern besang, stellte sich der Zauber ein, mit dem der 55-jährige Italiener seit drei Jahrzehnten sein Publikum begeistert.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Gergiev und die Münchner Philharmoniker: Warum Bruckner?
Valery Gergiev und die Münchner Philharmoniker setzen ihren Bruckner-Zyklus mit der Achten fort. Eine Enttäuschung.
Gergiev und die Münchner Philharmoniker: Warum Bruckner?

Kommentare