Friedenspreis für türkischen Schriftsteler

- Frankfurt/Main - Der türkische Schriftsteller Orhan Pamuk hat in der Frankfurter Paulskirche den mit 25 000 Euro dotierten Friedenspreis des Deutschen Buchhandels entgegengenommen.

In seiner Dankesrede kritisierte der in seiner Heimat angefeindete Pamuk, dass gewisse Kreise in Europa die "realistische Vision" eines EU-Beitritts der Türkei zur Stimmungsmache gegen sein Heimatland nutzten. Pamuk, der international bekannteste türkische Autor, wurde als Mittler zwischen Europa und der muslimischen Türkei mit dem renommierten Preis ausgezeichnet.

Ohne Namen zu nennen, beklagte Pamuk, dass sich einige Politiker bei der Bundestagswahl auf Kosten der Türkei und der Türken profiliert hätten. Wenn eine Türkenfeindlichkeit in Europa geschürt werde, "führt (dies) leider dazu, dass sich in der Türkei ein europafeindlicher, dumpfer Nationalismus entwickelt". Pamuk weiter: "So wie ich mir keine Türkei vorstellen kann, die nicht von Europa träumt, so glaube ich auch nicht an ein Europa, das sich ohne die Türkei definiert."

Der Lyriker und Übersetzer Joachim Sartorius würdigte Pamuk in seiner Laudatio als "Glücksfall". Pamuk könne den Deutschen die weiterhin so fremde Türkei erklären. "Die sonst drüber reden und berichten, verfolgen alle bestimmte Interessen", sagte Sartorius an die Adresse von Politikern, Militärs und Historikern. "Der Schriftsteller ist der einzige, der uns mit diesem Land vertraut macht."

Sartorius hob zugleich das politische Engagement von Pamuk hervor, der in Istanbul wegen Schmähung des Türkentums angeklagt worden ist. Pamuk hatte in einem Interview von den Massakern an einer Million Armeniern im Jahr 1915/1916 im damaligen Osmanischen Reich sowie von der Ermordung von 30 000 Kurden in der Türkei gesprochen. Mutig und unerschrocken erhebe Pamuk seine Stimme und verlange von seinem Land Aufrichtigkeit, sagte Sartorius.

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