Fröhliche Nostalgie mit "The Wall"

- Wer die Platte "The Wall" von Pink Floyd (1979) und die Verfilmung von Alan Parker (1982) nicht kennt, ist an diesem Abend im Münchner Circus Krone verloren. Die Geschichte von Rockstar Pink, den der Ruhm nicht glücklich macht, weil der empfindsame Künstler konsequent zu Grunde gerichtet wird (Mutti und das böse Showgeschäft sind schuld), ist für Außenstehende nicht zu entschlüsseln.

<P>Aber die Mehrheit der Zuschauer war in der Lage, Zeile für Zeile der düsteren Beichte zu deklamieren. Auf diese Fans baut die Produktion, die von Markus Beck und Katja Willebrand als rasante Mixtur aus Revue und Konzert inszeniert wurde.<BR><BR>Denn eigentlich hat sich diese "Rockoper" zwei Probleme aufgehalst, die nicht zu lösen sind. Zum einen konnte nicht einmal Pink Floyd selbst die dichten Klangwelten adäquat live darbieten. Und zum anderen ist da die übermächtige filmische Vorlage, in der Alan Parker mit berauschenden Bildern den Trip durch die Abgründe einer verkümmerten Seele als assoziative Versuchsanordnung interpretiert hatte.<BR><BR>Beelzebub der Rockmusik</P><P>Die gut eingespielte Band im Circus Krone meisterte das erste Problem ehrenvoll, indem sie den pompösen Sound gekonnt auf das musikalische Gerüst reduzierte, was manchem Titel sogar gut tat. Der Film war hingegen eine Bürde. Willebrand und Beck haben wunderschöne szenische Ideen eingebaut, aber Parkers Konzept übernommen, das auf einer Bühne nicht zu realisieren ist. Letztlich läuft es darauf hinaus, dass ein gut aufgelegtes Ensemble mit dem Publikum in Nostalgie schwelgt. </P><P>Das ist über weite Strecken unterhaltsam, vor allem wegen der sichtlich engagierten Darsteller. Fred Röttcher, der als "Joker" eine Art Beelzebub der Rockmusik verkörpert, setzt eigene Akzente, wenn er die pathetische Ode an den Weltschmerz ironisch bricht. Und Hans von Chelius stiehlt als böses Alter Ego des Rockstars Pink mit einer Aura genüsslicher Verkommenheit dem Hauptdarsteller Stefan Erz die Show. Aber das ist ja auch im Sinne des sentimental-zynischen Komponisten Roger Waters.</P>

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