Fröhliche Ouvertüre mit dem Shuttle-Bus

- Der Bus fährt an, brrrrrr tönt es nicht nur vom Motor her, sondern zwischen unlocker vibrierenden Lippen hervor und aus den krächzend ungeübten Kehlen von etwa hundert Fahrgästen. Oioioioioi, uiuiuiuiui - im Spielart-Shuttle-Bus dirigiert Animationsdame Maria Maschenka Einsingübungen für all diejenigen, die sich zum "Homeless Karaoke Club" gondeln lassen. Wo der ist, weiß noch keiner, und außerdem wird er beim nächsten Mal wieder woanders sein.

Bereits am vergangenen Wochenende hob das Spielart Theaterfestival, das offiziell morgen in München beginnt, mit dem ersten von vier Karaoke-Abenden zu einer fröhlichen Ouvertüre an. Ulrich Müller und Siegfried Rössert vom Ensemble 48nord haben sich das Spektakel einfallen lassen. In einem verlassenen Ladenlokal irgendwo in der Stadt findet diese Belustigung à la Japonaise statt: Ein Freiwilliger singt - frontal oder abgeschirmt in einer Kabine - zu Playback-Musik ein bekanntes Lied seiner Wahl.

Gleichzeitig, und das ist neu, improvisiert und verfremdet eine fünfköpfige Combo dieses Lied, und die Männer am Mischpult haben die Macht darüber, ob stärker der Originalsong, die Katzenmusik der Combo oder das schräge Gebrummel des Probanden zu hören ist. Womit die Musiker wohl nicht gerechnet haben: Auch die ungeübten Sänger bewirken schon einen gewissen Verfremdungseffekt. Von der Karaoke zur Kakophonie ist es nurmehr ein Halbtonschritt. An diesem Abend gibt es viele davon.

"Passion - Obsession - Pathos" sind nicht von ungefähr das Motto des diesjährigen Festivals, und wer die Neigung zu allen dreien mitbringt, der kann im wandernden Karaoke-Club seinen Spaß haben. So wie die Sugar Twins. "Über den Wolken" wird da an "heaven¹s door" geknockt: "Skandal um Rosi" - indessen kitschige Impressionen und kühner Zeichentrick per Film zu bewundern sind.

Was das alles mit Theater zu tun hat? Nicht mehr als jeder andere Karaoke-Abend auch. Aber Spielart lebt vom Experiment und der Überschreitung der Genregrenzen. Und für alle, die "Passion - Obsession - Pathos" nicht unbedingt am eigenen Leibe auf einer Musikbühne erleben wollen, hält das Festival in den nächsten Tagen viele verschiedene Spielarten von Theater bereit.

Den Anfang machen morgen Julian Rosefeldts Videoinstallation "Asylum" im Haus der Kunst, Rodrigo Garcí´as "Geschichte von Ronald" in der Muffathalle sowie die dortige Eröffnungsfeier in Anwesenheit der unvergleichlichen Bairishen Geisha.

Karaoke: 18.11., 22.30 Uhr, 25.11. und 2.12., 20 Uhr. Eintritt frei. Abfahrt Shuttle-Bus vor dem Forum Deutsches Museum; Tel. 089/280 5607.

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