Frohlocken und Hosianna

Münchner Volkstheater: - "Wenn der Stückl sagt: Spring abi, dann springen sie." Sepp Staber, sozusagen der Vater der Jungen Riederinger, ist ganz Herr der Lage. Aus seinen Augen funkelt's. Eine Mass in der Hand, angelehnt an der Theke der Theaterkasse, hat er das muntere Treiben im Foyer fest im Blick. Längst schon haben die Riederinger München und sein Volkstheater erobert.

Für Intendant Christian Stückl sind sie unverzichtbarer Bestandteil des Ensembles. Wenngleich sie alle im täglichen Leben ihrem "bürgerlichen" Beruf nachgehen. Die Riederinger, diese hinreißenden Plattler, Sänger, Spieler und Musiker, gehören einfach dazu.

"Mia han Hundert" verkündet ihr Plakat, groß aufgehängt an der Fassade des Volksgartens.

Und so passt das Jubiläum des Trachtenvereins perfekt zu dem des Volkstheaters: Am Samstag gab‘s die 100. Vorstellung von Christian Stückls Inszenierung "Der Brandner Kaspar und das ewig‘ Leben". Und das innerhalb von nur zwei Jahren. Respekt.

Frohlocken und Hosianna. Der Stückl und seine Leut‘ haben den 550 Zuschauern den Himmel, den weiß-blauen natürlich, auf Erden beschert: mit dieser temperamentvollen Aufführung zwischen Gaudi und Melancholie. Und natürlich auch mit dem großen Fest danach. Freibier von Paulaner, Bierbänke im Foyer, sieben Blaskapellen. Eine Stimmung, wie man sie sich hier schöner nicht ausdenken kann.

Ein Geben und Nehmen zwischen Bühne und Parkett. Das hochanimierte Publikum zeigte sich von seiner großzügigen Seite. Es bejubelte nicht nur Maximilian Brückners so abgründigen wie abgefeimten Boandlkramer; nicht nur Alexander Dudas deftigen und hinterkünftigen Brandner Kasper; nicht nur die Riederinger und das ganze himmlische Personal.

Nein, Riesenbeifall auch für den einzigen Preußen ­ für Tobias van Diekens virtuosen Kai Uwe von Zieten. Am Ende wurden sie alle gefeiert. Am meisten Christian Stückl, dieser Wundermann, der sich in einer improvisierten Rede bei allen Beteiligten bedankte; zuerst bei der Souffleuse Anna Münzer, "die seit hundert Vorstellungen unten sitzt und darauf wartet, dass irgend jemandem der Text nicht einfällt". Und er verspricht: "Die 1000. Vorstellung werden wir wohl nicht schaffen, aber vielleicht können wir Euch alle zur 200. wieder einladen."

So lange werden die meisten nicht warten wollen. Denn unter den Zuschauern waren jene, die den "Brandner Kaspar" zum ersten Mal sahen, eindeutig in der Minderheit. Nicht wenige waren zum sechsten, siebten, achten Mal oder noch öfter in dieser Aufführung. Wie Siegfried Gerg aus Bad Tölz, der der Truppe sogar bis nach Brasilien nachreiste. Heuer aber hat das Volkstheater ihm etwas ganz Besonderes geboten: Es ließ seinen begeisterten Fan die Vorstellung hinter der Bühne miterleben. Ein Blick ins Paradies. Für die Theaterleute und ihre Besucher ein einziges großes Fest.

Fazit: Kultur & Leben.

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