Ostbahnhof ist für S-Bahnen wieder frei – noch immer herrscht Chaos

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Frosch und Krebs

- Walter Heuns Tanzwerkstatt Europa (TWE), wenn auch unterstützt von der Stadt München, kann nicht wie deren Dance Biennale durchgehend mit großen Produktionen auftrumpfen. So gibt es denn auch diesmal drei Solo-Performer.

<P>Der Franzose Xavier LeRoy, seit 1992 Wahl-Berliner, den man hierorts mit seiner Performance "Product of circumstances" als Meister der (Selbst-)Ironie kennen lernte, machte im i-camp den Anfang mit seinem Solo "Self Unfinished" (1998). LeRoys ursprüngliche Berufung, die Molekular- und Zellbiologie, findet in der aktuellen (tanzenden?) immer wieder ihren Niederschlag. Da sitzt er zunächst auf seinem Stuhl, konzentriert, die Hände flach auf der Tischplatte, um sich gleich darauf zu verwandeln. Im ersten Durchgang probiert er die Roboter-Existenz, pumpt jeden Körperteil einzeln, stakselt, chrr, chrr, pfff, rohchrr, blöd voran.</P><P>Doch dann wird's immer tierischer und pflanzlicher. In Hosen und ein langes Stretch-Shirt über Kopf und Arme gezogen, nur Körpermitte nackte Haut, marschiert dieser Mensch auf allen Vieren rückwärts _ und schon krabbelt da ein siamesischer Krebs-Zwilling. Auf dem Boden liegend, die Beine über den Kopf geklappt, reduziert LeRoy sich zum Torso in Rückenansicht, aus dem mit abgewinkelt seitlich ausfahrenden Armen ein Frosch wird, mit steif hoch gehaltenen Armen und Fäusten eine Riesen-Wasserschnecke, ruckel, ruckel, auf dem Meeresgrund. Mit linker Hand den rechten Fuß gefasst, mit rechter den linken, und die so neuen großen Gliedmaßen-Schlaufen noch in- und durcheinander gedreht, wird man(n) zur Seeanemone. </P><P>Wo Kontorsionisten ihre Biegsamkeit als Virtuosität vorführen, wo Philobolus- und Momix-Chef Moses Pendleton in den 70er-Jahren derartige Body-Art zum poetischen Spektakel machte, treibt LeRoy mit extremen physischen Möglichkeiten ein scherzhaftes Wahrnehmungsspiel: Nach einer Weile weiß man wirklich nicht mehr, was Arm, was Bein, was Gesäß, was Schulter. Das Selbst bleibt eben immer, siehe Titel: ein Unfertiges. </P><P>Heute: Loic Touzé´, Muffathalle; Tel: 089/ 54 81 81 81</P>

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