Zu früh gefeiert

- Als "tragfähigen Kompromiss" bezeichnete gestern der Bayerische Musikrat die Entwicklung in Sachen Münchner Rundfunkorchester, andere feiern schon die Rettung des von der Sparwut bedrohten Klangkörpers. Etwas vorschnell, wie sich bei näherer Betrachtung herausstellt: Dass der Bayerische Rundfunk bis zu 50 der 71 Planstellen erhalten möchte, wurde bereits im November bekannt und von dieser Zeitung dokumentiert.

Reduktion statt Streichung also. Doch wurde der BR nicht nur aus Mitgefühl zum Umdenken gebracht, sondern auch aus rechtlichen Gründen. Eine Frühverrentung der Musiker ist nämlich ausgeschlossen, überdies will der Sender betriebsbedingte Kündigungen vermeiden.<BR><BR>Von einem Orchester mit 50 Musikern ist man indes weit entfernt. Drei der ursprünglich 71 Mitglieder sind zu anderen Ensembles abgewandert, zwei weitere wechseln nach erfolgreichem Vorspiel bis 2006 ins Symphonie-Orchester  des  BR. Was mit den übrigen passiert, ist noch völlig offen, man befinde sich "mitten in den Verhandlungen", wie aus dem Orchester zu hören war. Und dort herrscht weniger Erleichterung über einen angeblichen "Kompromiss", als vielmehr ungebrochene Existenzangst.<BR><BR>Setzt der BR auf eine schleichende Auflösung?<P>Ein reduziertes Orchester bedeutet nämlich auch: "Große" Literatur, die eine bestimmte Besetzungsstärke erfordert, kann künftig nicht mehr gespielt werden. Die Sonntagskonzerte sind davon betroffen, auch "Paradisi Gloria", die erfolgreichste Reihe der letzten Jahre, die schon in  der kommenden, der letzten "normalen" Spielzeit des Orchesters, ins Wackeln gerät. Wenn aber dieses repräsentative Repertoire wegbricht, bleiben fast "nur" noch Termine etwa im Kinder- und Jugendbereich. Das sind zwar notwendige Projekte, die dem öffentlich-rechtlichen Rundfunkauftrag entsprechen. Doch attraktive, PR-trächtige Veranstaltungen sehen anders aus.<BR><BR>Das Spar-Konzept ist gescheitert<BR><BR>"Ein verkleinertes Orchester ist besser als gar kein Orchester", ließ Wilfried Anton vom Bayerischen Musikrat gestern verlauten. Offen bleibt freilich, ob der BR mit der Reduzierung nicht auf eine schleichende Auflösung des Ensembles setzt: Wer fortan die Arbeit machen darf, für die sich andere Orchester zu schade sind, der sucht sich doch möglichst schnell eine neue Stelle.<BR><BR>Am 17. Februar tritt der Rundfunkrat zusammen, beraten wird unter anderem über die Zukunft des Orchesters. Eines ist dabei sicher: Das "Konzept" von BR-Intendant Thomas Gruber, durch die Auflösung neun Millionen Euro pro Jahr einzusparen, ist gescheitert. Wenn nicht aus Einsicht, so doch aus Notwendigkeit.</P>

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