Frühjahrsbuchwoche: Brücke zu unbekannten Bekannten

München - Kanada. Fern genug, um ein Ort der Emigration und des Exils zu sein; nah genug, um Träume daran zu hängen. Fern und nah genug, um Brücken bauen zu wollen zu den "unbekannten Bekannten", mit denen Kurator Thomas Kraft nicht nur, aber vor allem die kanadischen Literaten im Schatten eines Michael Ondaatje oder einer Joy Fielding meint.

Denn parallel zum Jubiläumsmotto der Stadt, die heuer ihren 850. Geburtstag feiert, wird auch Münchens Literaturszene zum Statiker der Schönen Künste. "Literatur baut Brücken: Gastland Kanada" lautet das Thema der 16. Internationalen Frühjahrsbuchwoche.

Kanada, so franko- wie anglophil, sei ein Träger multiethnischer Sehnsüchte und Hoffnungen, erklärt Kulturreferent Hans-Georg Küppers die Wahl. "Integration, Identität, Multikulturalität" (Kraft) - nach diesen Schlagworten wird vom 27. Februar bis 7. März auch die Frühjahrsbuchwoche fragen: ob komisch, tragisch, historisch, politisch, modisch oder musikalisch. Das freche Motto: "Die beste amerikanische Literatur kommt aus Kanada." Zum Auftakt am 27. Februar liest Alistair MacLeod im Literaturhaus aus seinen Erzählungen "Die Insel" (deutsche Lesung: Jörg Hube). Ebenfalls kein Unbekannter in Deutschland ist etwa der Science-Fiction-Spezialist William Gibson (am 5. März). Am 28. Februar darf man sich auf eine humorvolle Hommage an den 2001 verstorbenen Autor Mordecai Richler freuen. Zwei weitere Abende gehören Leonard Cohen (wobei man die Abwesenheit Cohens nicht bedauern werde, wie Kraft verspricht) und dem Pianisten Glenn Gould.

Um ein guter Gastgeber sein zu können, muss München das Projekt Brückenschlagen auch auf sich selbst anwenden: Küppers wünscht sich eine intensive Vernetzung der 25 verschiedenen Veranstaltungsräume. So eröffnet bereits am 21. Februar in den Kunstarkaden die Ausstellung zur Buchwoche, die sich den Brücken wie der Literatur des Gastlandes auf ganz gegenständliche Weise widmet. Am 24. Februar schmückt sich die Schrannenhalle mit einem umfassenden Programm zum zweitgrößten Land der Erde. Das Wochenende im i-camp hält Louise Bombardiers poetisch-tänzerischen Québec-Abend "Les petits fantômes mélancoliques" bereit.

Zu all dem hat das Kulturreferat ein lesenswertes (und kostenloses!) Büchlein mit exklusiven Essays zur weit verwurzelten (literarischen) kanadischen Identität herausgebracht. "Wegzehrung" nennt es Thomas Kraft, passend zum Plakatmotiv der kleinen Buchmesse: einem literarischen Reisekoffer. Es gehe um das "Mitbringen und das Mitnehmen von Eindrücken, Erfahrungen, Begegnungen", so Kulturreferent Küppers. Eine Einladung auch an die Münchner Verlagswelt: Einige der Gäste lesen nicht nur zum allerersten Mal in Deutschland; sie sind auch noch nicht in deutscher Sprache erschienen.

27. Februar bis 7. März

Info: www.fruehjahrsbuchwoche.de

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