+
Undatiertes Bild des Gemäldes des Künstlers Frans Francken der Jüngere mit dem Titel "Die Bergpredigt (Paulus in Lystria)".

Aus dem "Führerbau": Raubkunstgemälde aufgetaucht

München - Das Raubkunstgemälde, nach dem die Polizei gesucht hatte, ist aufgetaucht. Das Bild des Künstlers Frans Francken d.J. ist am Freitag in München sichergestellt worden.

Lesen Sie dazu:

Teures Raubkunstgemälde im Fernsehen aufgetaucht

Im November 2008 war das Bild in der Sendung "Kunst&Krempel" des Bayerischen Rundfunks zur Begutachtung gezeigt worden. Vergangene Woche hatte das Landeskriminalamt öffentlich nach den jetzigen Besitzern gesucht. Am Freitag, 4.09., meldete sich nun eine wichtige Zeugin aus München. Die 67-Jährige gab gegenüber den Kunstfahndern an, dass das Bild des Künstlers Frans Francken d.J. in einer Wohnung im Münchner Stadtteil Westend hängt. Diese Wohnung gehört einer 92-jährigen Frau, die mit der Anruferin verwandt ist.

Kriminalbeamte des Landeskriminalamtes stellten noch am Freitag das auf ca. 100.000 Euro geschätzte und um 1606 datierte Bild mit dem Einverständnis der über die Gegenstände in der Wohnung verfügungsberechtigten 67-Jährigen sicherstellen.

Die Münchnerin war aufgrund einer Zeitungsveröffentlichung auf den Sachverhalt aufmerksam geworden. Die 92-jährige Wohnungsinhaberin ist derzeit in einem Krankenhaus, sie konnte noch nicht zu dem Gemälde befragt werden.

Die ersten Ermittlungen ergaben, dass der zunächst nicht identifizierte Mann, der das Bild in der Fernsehsendung vorgelegt hatte, ebenfalls ein Verwandter der Frauen war. Er verstarb im Juni 2009.

Offensichtlich gelangte das Gemälde „Die Bergpredigt (Paulus in Lystria)“ von den Eltern der 92-jährigen Münchnerin in ihren Besitz. Nach Angaben von Kunstexperten handelt es sich dabei um eines von insgesamt 723 Gemälden, die am 29. April 1945 im sog. „Führerbau“ in München lagerten. Etwa 650 davon verschwanden auf ungeklärte Art und Weise, als Plünderer unmittelbar vor dem Einmarsch von US-Truppen in das Gebäude am Königsplatz eindrangen.

Bei den 723 Gemälden handelte es sich um späte Einlieferungen, die aufgrund der Kriegslage nicht mehr abtransportiert werden konnten. Die Bilder waren für den „Sonderauftrag Linz“, d.h. die Ausstattung für ein in Linz a. d. Donau geplantes Museum, sowie das „Führermuseum“, und für andere Galerien des „Großdeutschen Reiches“, vorgesehen. Der „Sonderauftrag Linz“ war an die Gemäldegalerie in Dresden angebunden. Der Führerbau in München war als Hauptdepot vorgesehen.

Der letzte bislang bestätigte Nachweis des Gemäldes belegt, dass es aus französischem Privatbesitz stammt und am 14.10.1943 von einer Dresdner Kunsthandlung für 10.000 Reichsmark erworben worden war. Die Kunstfahnder des LKA und die Staatsanwaltschaft München I werden nun versuchen, den weiteren Weg dieses wertvollen Gemäldes nachzuvollziehen.

mm

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Ich liebe Happy Ends!“
Sie trifft den Puls ihrer Generation. Am Samstag kommt die Poetry-Slammerin Julia Engelmann in den Münchner Circus Krone, Restkarten gibt es mit etwas Glück an der …
„Ich liebe Happy Ends!“
Auseinandersetzungen mit Rechten auf der Buchmesse
Der Umgang mit der Neuen Rechten hat die Frankfurter Messe von Beginn an beschäftigt. Beim Besuch des AfD-Rechtsaußen Björn Höcke kommt es am Samstag zu Konfrontationen …
Auseinandersetzungen mit Rechten auf der Buchmesse
Wanderkonzert: LaBrassBanda mit Fans auf der Hütte
LaBrassBanda ist alles andere als eine gewöhnliche Band. Da passt auch das neueste Konzert der Gruppe ins Bild: Auf 1300 Metern Höhe spielen die Musiker vor ihren Fans …
Wanderkonzert: LaBrassBanda mit Fans auf der Hütte
Wiedereröffnung am Gärtnerplatz: Die schrecklich nette Familie ist zurück
Mit der Eröffnungsgala „Es ist soweit!“ feiert das Münchner Gärtnerplatztheater an diesem Wochenende seine Rückkehr ins renovierte Stammhaus. Lesen Sie hier die …
Wiedereröffnung am Gärtnerplatz: Die schrecklich nette Familie ist zurück

Kommentare