Beate Zschäpe: Verteidiger fordern maximal zehn Jahre Haft

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Fünf Jahre Turbo-Funktion

- Christoph Poppen steht vor einem großen Karriere-Einschnitt. Nach fünfjähriger Amtszeit verlässt er den ARD-Wettbewerb als künstlerischer Leiter, sein Nachfolger wird Axel Linstädt, Chef der Hauptabteilung Musik beim Bayerischen Rundfunk. Und auch als Dirigent wartet eine neue Aufgabe auf Poppen: Nur noch eine Spielzeit ist er beim Münchener Kammerorchester, ab der Saison 2006/ 07 übernimmt er das Rundfunksinfonie-Orchester Saarbrücken, das ab 2007/ 08 mit dem Rundfunkorchester Kaiserslautern fusioniert wird.

Das Kammermusikfest gehört wie manch anderes beim ARD-Wettbewerb zu den Neuerungen, die Sie eingeführt haben. Da müssten Sie von den Streichaktionen doch besonders enttäuscht sein.

Poppen: Nein. Wir haben hier viel Spannendes aufgebaut. Es gehört eben zu unserer Zeit, dass gespart werden muss. Der Erfolg des Kammermusikfests ist so groß, das es sich womöglich durch seine Ausstrahlung retten kann. Nun suchen wir nach Sponsoren. Ich bin froh, dass alle ARD-Anstalten weiter hinter dem Wettbewerb stehen und kein Ausstieg eines Senders droht. Es gab halt Intendanten, die die Wichtigkeit des Wettbewerbs nicht gesehen haben. Da musste ich Überzeugungsarbeit leisten.

Dem Prinzip eines Wettbewerbs standen Sie kritisch gegenüber.

Poppen: Deshalb kam ja die Idee auf, das Gegeneinander durch ein Miteinander aufzubrechen, zum Beispiel durch das Kammermusikfest. Und deshalb musste man mich auch zur künstlerischen Leitung überreden. Ich hatte von vornherein nur fünf Jahre eingeplant, mein Weggang hat also nichts mit den Kürzungen zu tun. Meine kritische Haltung gegenüber Wettbewerben bleibt. Auch wenn das Budget verzehnfacht werden würde.

Sie haben als aktiver Künstler den Wettbewerb geprägt - anders als Ihr Vorgänger und Ihr Nachfolger, die beide aus der Rundfunk-Verwaltung stammen. Ist dieses Zurück zur alten Konstruktion auch ein Rückschritt?

Poppen: Nein. Ich habe mich anfangs gegen die Vorstellung gewehrt, dass ein Künstler Verantwortung für ein organisatorisches Ereignis übernimmt. Ich habe das als Ausnahme für den Wettbewerb und für mich empfunden. Es sollte wohl für den ARD-Wettbewerb so eine Art Turbo-Funktion haben.

ARD-Wettbewerb, Kammerorchester: Es scheint, als ob Sie die Brücken hinter sich abbrechen.

Poppen: Ich wohne ja weiterhin am Ammersee, bleibe dem Kammerorchester als Gast verbunden und behalte meine Professur an der Musikhochschule, auch wenn ich sie auf eine 50-Prozent-Stelle reduziere. Es gehört zu meinem Leben, dass immer wieder Abschnitte zu Ende gehen. Und ich bin froh, dass ich die Entscheidungen stets selbst treffen konnte, etwa was die Mitgliedschaft beim Cherubini-Quartett oder das Rektorat an der Berliner Eisler-Hochschule betraf. Den Weggang vom Kammerorchester hatte ich so geplant. Dass die Übernahme der Chefposition in Saarbrücken daran nahtlos anschließt, hat sich wirklich so ergeben. Ich wollte einfach mehr im symphonischen Repertoire arbeiten und mir dort neue Stücke erschließen.

Beim Münchener Kammerorchester standen Sie für ein starkes programmatisches Profil. Die Moderne wurde durch Spielzeitthemen der "älteren" Musik gegenübergestellt. Ein Rezept für Saarbrücken?

Poppen: Es ist klar, dass ich meine Handschrift nicht verleugnen werde. Sicherlich wird es Programme geben, die unter ein bestimmtes Saison-Motto gestellt werden können. Auch haben wir schon Kontakte zu möglichen "Composers in residence" geknüpft. Aber ich freue mich eben auch wahnsinnig auf Dirigate von Mahler- und Bruckner-Symphonien - wobei ich hier nicht ganze Zyklen anstrebe. Und dass wir innerhalb weniger Wochen gleich die ganze erste Spielzeit planen mussten, hat mir großen Spaß gemacht.

In Saarbrücken müssen Sie die Fusion zweier Orchester abwickeln. Angenehm ist so etwas nicht gerade . . .

Poppen: Gemessen an anderen Klangkörper-Fusionen in Deutschland läuft diese außerordentlich günstig ab. Sie wurde sehr langfristig, sehr behutsam vorbereitet. Es gibt keine betriebsbedingten Kündigungen, die beiden Ensembles sind schon lange in Gesprächen miteinander. Es entsteht dann eine Orchesterstärke von 130 Musikern, die wohl auf knapp 100 reduziert wird. Doch dafür gibt es keine zeitlichen Vorschriften. Wir können eben auf Fehler zurückblicken, die andere gemacht haben und aus denen wir gern lernen.

Das Gespräch führte Markus Thiel

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