Fünffache Ariadne im Theater i-camp

- Vier weibliche Wesen - ins Feuerrot der Liebe gekleidet. Nummer fünf, die Rebellin, trägt nur noch eine rote Nelke am Herrenjackett. Alle heißen sie Ariadne und liegen entspannt auf ihren riesigen Sack-Sesseln, die wie graue Kykladeninseln auf der schwarz glänzenden Bühne des Münchner i-camp Theaters zu schwimmen scheinen: "Ariadne - eine musikalische Spurensicherung", komponiert von Helga Pogatschar, uraufgeführt soeben von Cornelia Meliá´ns Micro Oper.

<P>Sind wir auf Naxos, wo Theseus Ariadne treulos alleine zurückließ? Ja - oder doch eher nein. Zwar bestellt Ariadne die Liebende - Meliá´n stimmschön schmachtend - im Beach Hotel Poseidon noch ein Doppelzimmer. Aber man ist hier doch mit prächtig gesanglicher Selbstironie dabei, den Faden zum Macho Theseus zu zerreißen. Während Helga Pogatschars elektronische Musik dumpf dröhnt und rhythmisch stampft, labert Ariadne die Kindliche vom Papa mit den Hörnern auf der Haut. Und Ariadne die Weise führt nicht aus dem Labyrinth heraus, im Gegenteil: Sie webt eines quer über die Bühne mit ihrem roten Garn - wo dann auch schon Ariadne die Wahnsinnige lauert wie eine gefräßige Spinne in ihrem Netz. Und Ariadne die Rebellin hackt Abschiedsbriefe in ihre alte Schreibmaschine.<BR><BR>Monika Manz ist starker Schauspiel-Gegenpol zur Sängerin Melián. Diese fünffache Ariadne redet sich u. a. mit Foucault, Genet und Ovid den Frust von der Seele, singt sich frei, raunt, flüstert, hechelt, kreischt und zelebriert ein parodistisch nuttiges Beschwörungsritual. Regisseur Saule Ryan fand schlüssige Bilder für seine Darstellerinnen, hat ihnen viel Freiheit gelassen. Nicht nur zum Vorteil. Und der Bewegungs-Regie hätten ein bisschen mehr Fantasie und Kontur gut getan. Wenn man jedoch vergleicht mit dem Budget und technischem Apparat von staatlicher Oper, dann ist hier doch immerhin das gelungen, was Cornelia Meliá´ns arme freie Gruppe stolz als Titel trägt: eine ansehnliche "Micro Oper".<BR><BR></P><P>Bis 16. 1., Tel. 089/ 65 00 00</P><P> </P>

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