Der Fürstbischof ließ sich nur selten blicken

Herrenchiemsee - Nach dreijähriger Umbauzeit sind die prachtvollen Räume derbarocken Klosteranlage auf Herrenchiemseewieder für die Besucher geöffnet.

Finanzstaatssekretär Georg Fahrenschon ist sich nicht sicher: "Heißt es jetzt im Bayerischen Meer oder auf dem Bayerischen Meer?" Denn dort liegt die Insel Herrenchiemsee und auf ihr ein "Altes Schloss", das in die Karolingerzeit zurückreichende Augustiner-Chorherrenstift, das nach drei Umbau-Jahren und 2,35 Millionen Euro Investition durch die Bayerische Schlösserverwaltung nun einige exquisite Museumserweiterungen feiert. Ein weiterer wichtiger Spiegelstrich auf dem Welterbeantrag für die bayerischen Königsschlösser, den die Schlösserverwaltung derzeit vorbereitet.

"Heute können wir Ihnen die vielleicht schönsten Räume der barocken Klosteranlage zugänglich machen", verkündet Fahrenschon. Er meint damit die beiden prunkvollen Säle im oberen Repräsentationsgeschoss: den "Kaisersaal" und das "Gartenzimmer". Beide haben die aufwändige Instandsetzung des Dachstuhls mittels 3D-Laserscan hinter sich sowie eine umfassende Restaurierung.

Das kunstvolle Parkett des Kaisersaals ist nun durch einen Steg vor weiterer Abnutzung gesichert. Inmitten der perspektivischen Architekturmalerei von Benedikt Albrecht, welche die recht niedrigen Räume anspruchsvoll bis in den Himmel erhöht, leuchten biblische Gastmahlsszenen. Die zwölf Cäsaren an den Wänden sollten den Logierenden an vorbildliche wie schlechte Regentschaften erinnern. Doch oft kam der Fürstbischof vom Chiemsee, für den diese Gästewohnung vorgesehen war, nicht zu Besuch. Zwischen ihm und dem Kloster herrschten Zwistigkeiten in der Führungsfrage.

Zwei Stockwerke tiefer hat ein besonderer Raum von seiner notdürftigen Funktion als Abstellkammer glücklicherweise wieder zu seiner ursprünglichen Funktion als Küche zurückgefunden. Der freistehende Herd in ihrem Zentrum, dessen ungemein fortschrittlicher Rauchabzug über den Boden ins Freie führte, stammt noch aus der Zeit Ludwigs II. Gut möglich, dass hier die Gerichte für das königliche "Tischlein-deck-dich" im "Neuen Schloss" zubereitet wurden.

Leider ist beinahe die gesamte Ausstattung den Kupfersammlungen im Ersten Weltkrieg zum Opfer gefallen; Ersatz bringt heute Geschirr aus der Münchner Hofküche. Bei Ausgrabungen im Garten vor der Küche stieß man allerdings auf die Rarität einiger schlichter barocker Tonschüsseln.

Das dritte zu besichtigende Novum im Stift betrifft die Exter-Galerie. Sie eröffnet zwei neue Räume für mehr als zwei Dutzend neue Einblicke in das Werk des Malers Julius Exter (1863-1939). Den Übergang bilden vielfältige späte Variationen der bunten Gartenbilder dieses Blaue-Reiter-Vorreiters und Gründungsmitglieds der Münchner Secession. Dann versinkt auch das leuchtende Königsblau, die Lieblingsfarbe Ludwig II., in der Rötung der kleinformatigen Aktbilder des "Farbenfürsts". Der große Saal schließlich überrascht den Besucher mit einer merkwürdig heterogenen Gruppe von Frauenbildern, gemalt um 1900. Neben Genrebildern und Porträts bilden hier aufgewühlte Hexendarstellungen wie ein mythologisches "Zauberwald"-Triptychon den Höhepunkt der Schau.

Weitere Informationen:

Museum und Gemäldegalerie täglich 9-18 Uhr. Telefon: 08051/ 68 870.

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