Zu Füßen der Frauen

- "Gismonda" steht da in Mosaik-Lettern. Darunter, im Bogen: Bernhardt - Vorname verdeckt von einem großen Palmzweig, den eine blumenbekränzte, edel gewandete, wunderschöne Frau versonnenen Blicks hält. 1894 wusste jeder den Vornamen: Sarah. Das Drama von Victorien Sardou, das das Pariser Théâtre de la Renaissance damals aufführte, mag vergessen sein, Sarah Bernhardt ist es nicht und jener Mann, der für sie und ihren Auftritt ein phänomenales Plakat geschaffen hatte, ebenfalls nicht: Alfons Mucha.

<P>Schlagartig hatte sich mit diesem extremen Hochformat, mit dieser klassischen Haltung, mit feinen Farben und allerfeinstem Jugendstil der böhmische Künstler durchgesetzt. "Le style Mucha" war da. Die Pariser zückten Rasiermesser, um die Plakate von Wänden zu schneiden.</P><P>Das Münchner Museum Villa Stuck präsentiert jetzt eine umfassende Schau zu Künstler und Werk. Dieses Projekt (Kuratoren: Jo-Anne Birnie Danzker, Michael Buhrs) konnte nur durch die Hilfe der Mucha Foundation (Enkel John Mucha) realisiert werden. So gibt es nicht nur den "typischen" Mucha zu sehen, seinen Jugendstil, mit dem er sein ganzes Herz und Können den Frauen zu Füßen legte, sondern auch den Designer, den arbeitspraktisch orientierten Fotografen, den Werbegrafiker, den Symbolisten -und den ganz und gar freien Künstler. </P><P>Einige Pastelle, dunkeltonige, mit schnellem Strich durchpflügte Blätter, sind mit das Beste in der Ausstellung. Mucha feiert darin nicht die Fülle des Lebens, sondern erfasst die Nachtseite. Düstere Kriegsszenen, fast ungegenständlich, beweisen klarer als die riesigen, pathetischen Gemälde zur tschechischen Nationalität oder zum Panslawismus Muchas scharfen Blick fürs Politische und Soziale. Hier wird er wahr, weil er seine Aussage nicht in den "style Mucha" zwingen will. </P><P>Vom Kulissenmaler<BR>zum Kunst-Star</P><P>Muchas Durchbruch war eine lange Lehrzeit vorausgegangen. 1860 als Sohn eines Gerichtsdieners in Südmähren geboren, wurde der 18-Jährige von der Prager Akademie brüsk abgewiesen. Sein Handwerk lernte er als Kulissenmaler in Wien. Sicher keine schlechte Voraussetzung für die Pointierung von Effekten, für die imposante, aber auch die fragile Geste, fürs Flächenhafte, das vor allem im Jugendstil - und für die weitere kunstgeschichtliche Entwicklung - wichtig war. Erst als Porträtist fand Mucha einen Mäzen, der ihm das Studium in München ermöglichte. Arbeiten (zu Goethes "Faust") aus dieser Anfangsphase machen in der Stuck-Villa den Auftakt. 1887 ging Alfons Mucha nach Paris, blieb dem Theater mit Illustrationen verbunden. </P><P>Und dann kamen Sarah B./Gismonda, der Fünf-Jahres-Vertrag mit der Bernhardt, der echte Erfolg. Aufträge von Werbung über Schmuck bis zur Weltausstellung Paris 1900 hagelte es. Auch in den USA war man von dem Mann aus Mähren begeistert; Charles Crane wurde zum zweiten Gönner, der die Gemälde-Serie "Slawisches Epos" (1928 vollendet) unterstützte. Seit 1963 hängen die Bilder im Schloss von Moravský Krumlov. Alfons Mucha starb 1939 in Prag, kurz nachdem er von der Gestapo verhaftet (und wieder freigelassen) worden war.</P><P>In unser aller Gedächtnis geblieben ist der Künstler aber als Meister des Jugendstils, der den floral bewegten Überschwang durch seine Zauberhand verband mit der unverrückbaren Ordnung des Ornaments.</P><P>Bis 5. 10.; neue Öffnungszeiten Mi.-So. 11-18 Uhr. Tel.089/ 45 55 51 0. Katalog, Belser-Verlag: 29,80 Euro.<BR></P>

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