Fulminanter Erfolg mit Marc: Große Pläne und Probleme

- So erfolgreich war die Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau noch nie zuvor. Die fulminante Ausstellung zum Schaffen Franz Marcs, die am Sonntag mit einem Tagesrekord von 5550 Besuchern zu Ende ging, bescherte dem Museum am Königsplatz ein Jahresergebnis von rund 400 000 Kunstfreunden (die ganz exakten Zahlen dauern noch); das heißt, es kamen doppelt so viele als in den anderen Jahren. Über 500 Schulklassen durfte man - auch zu Sonderöffnungszeiten - empfangen sowie circa 2400 angemeldete Gruppen.

Überhaupt hatte das Team die Zugangsmöglichkeiten immer mehr erweitert: Zuletzt durfte jeder von neun bis 24 Uhr in die Schau. Trotzdem, so schätzt Museumschef Helmut Friedel, konnten 40 000 bis 50 000 Menschen nicht befriedigt werden. Sie standen im wahrsten Sinne des Wortes die langen Wartezeiten nicht durch.

Friedel verweist auch darauf, dass das Lenbachhaus in seinem jetzigen Zustand, solchen Besuchermengen nicht gewachsen sei. Er ist besorgt, denn "die Politik habe sich da zurückgezogen". Sie gehe davon aus, dass nur fünf Prozent der Bevölkerung in Ausstellungen ausschwärmen. Es seien aber zehn Prozent und könnten schnell 25 Prozent werden. In diesem Zusammenhang ist es schade, dass Kulturreferentin Lydia Hartl, die angesagt war, bei dieser Jahrespressekonferenz des Lenbachhauses fehlte. Also nichts zu ihrem Konzept zur Sicherung des Museums sagen konnte. Der Direktor selbst weiß nur, dass eine neue Sparrunde (Etat und Personalkosten) ansteht - eine war schon zu verkraften. Und er weiß eben nicht, "wann der Punkt erreicht ist, an dem wir handlungsunfähig sind". Denn auch ein Renner wie die Marc-Exposition, der viel einspielt, verursacht derartig hohe Kosten, dass bis dato nicht klar ist, ob man in schwarzen Zahlen landet.

Lydia Hartl glänzte durch Abwesenheit

Bedauerlich war Hartls Absenz darüber hinaus, weil nichts Neues zum Planungsstand der Generalsanierung des Lenbachhauses zu hören war. Sicher ist nur: Es muss renoviert werden. Norman Foster hatte schon einen Plan vorgelegt. Der Stadtrat spielt auf Zeit und lässt Bau- und Kulturreferat allerhand überprüfen - vor allem die Einsparpotenziale. Eine Entscheidung soll erst im Herbst fallen. Münchens Politiker sollten durch diesen sensationellen Erfolg erkannt haben, dass von den städtischen Museen nur das Lenbachhaus international mithalten kann. Will irgendjemand diese Position aufs Spiel setzen? Zumal die Galerie mit ihren 30 Planstellen, von denen nur 25,5 besetzt sind, nicht gerade einen personellen "Wasserkopf" hat.

Die Freude über die hervorragende Leistung hilft dem Lenbachhaus-Team über die Sorgen hinweg, aber auch die Pläne für 2006 (wie kurz berichtet). Auf wissenschaftlichem Sektor kann man sich etwa auf Werkverzeichnisse (Kandinsky-Zeichnungen) freuen, aber auch auf einen Band, der alle seine Schriften umfassen wird. Ab Ende Januar wird ein Münchner entdeckt, Ernst Kaiser (1803- 1865), Landschaftsmaler und Zeichner. Eine zweite Entdeckung: Gabriele Münter als versierte Fotografin. Die dritte: der Farb-Raum-Durchdringer Paolo Parisi. Die vierte: der Kunstpreisträger Cerith Wyn Evans, dessen Arbeiten man kaum kennt. Dagegen sei Olafur Eliasson seit seiner Tate-Schau ein "Popstar". Das nutzend wird seine mächtige Lichtinstallation wieder gezeigt. Zeitgenössisches wird herausgestellt mit Videos und in speziellen Inszenierungen von Gefühlen.

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