Die Funken flogen

- Der Abend gehörte ihm, dem jungen Münchner Cellisten Johannes Moser. Aus Berlin, wo er Meisterschüler bei David Geringas ist, kam er in den heimatlichen Herkulessaal und erfüllte, die hohen Erwartungen, die das Publikum einem Sieger des Moskauer Tschaikowsky-Wettbewerbs naturgemäß entgegenbringt. Sympathisch souverän - bestens ausgestattet mit einem herrlichen Instrument, handwerklicher Bravour und starkem musikalischem Ausdruckswillen - avancierte er zum "Wortführer" seiner hochkarätigen Partner: Riccardo Muti und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks.

Moser spielte sich mit den Orchester-Celli quasi ein, bevor er solistisch durchstartete: mit durchaus romantisch inspiriertem Ansatz, kantablem Ton, ohne Angst vor Gefühl (kein Wunder, dass er in Moskau reüssierte), dabei Eleganz und Witz nicht verachtend. Spielerisch-lockere, virtuose Grifftechnik und Bogenführung verbanden sich im Adagio und in den Kadenzen mit einer kraftvollen Ausdrucksintensität, bevor im hurtigen Finale bei rasanten Läufen und Sprüngen die Funken flogen. Für den begeisterten Applaus dankte Johannes Moser mit Bach - auch der süffig serviert - und weckte Neugier auf seine weitere Entwicklung.<BR><BR>Während Muti und die BR-Symphoniker bei Haydn in kleiner Besetzung sekundierten, litten in Mozarts Haffner-Symphonie (Nr. 35, D-Dur) die Holzbläser unter dem Übergewicht der Streicher. Trotz zuweilen deftiger Akzente blieb die Oberfläche glatt, schürte Muti erst aus den Hell-Dunkel-Kontrasten des Presto-Finales Spannung. Zum Abschluss des Konzertes, das dem verstorbenen Carlo Maria Giulini gewidmet wurde, gönnte Muti effektsicher Musikern und Publikum das Abtauchen im ausufernden Klangrausch von Alexander Skrjabins 3. Symphonie c-moll. Sie verflog trotz himmelstürmender C-Dur-Apotheose rasch.

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