Es funkt beim Tee

- Richard Curtis hat die Drehbücher zu den erfolgreichsten britischen Filmen der letzten Jahre verfasst, zu "Vier Hochzeiten und ein Todesfall", zu "Notting Hill" und zu "Bridget Jones". Der Mann beherrscht das Genre der romantischen Komödie also wie kein anderer - und hat auch dementsprechend viele, wirklich wunderbare Ideen. Bedauerlich ist nur, dass er jetzt versucht hat, zu viele davon in einen einzigen Film, sein Regiedebüt, zu stopfen.

<P>"Tatsächlich . . . Liebe" erzählt in locker durch einige Personen miteinander verbundenen Episoden von Sehnsucht, von erster, heimlicher und nicht mehr ganz so heimlicher Liebe, von Betrug, Tod und Herzschmerz in allen erdenklichen Variationen. Die kleinen Geschichten sind präzise formuliert, die Figuren charmant ersonnen. Andere Regisseure hätten aus jeder Episode einen eigenen Film gedreht. Und spätestens ab der Hälfte des Streifens wünscht man sich, Curtis hätte dies auch getan. Denn aus seinen unbestreitbar herzerwärmenden Storys für die Vorweihnachtszeit wird bei Curtis in der Kombination aller hübscher Details ein hektisches Abhaken der einzelnen Szenen.</P><P>Hugh Grant spielt den unverheirateten Premierminister, der sich Hals über Kopf in seine appetitliche Hausdame verknallt, als sie ihm den Fünf-Uhr-Tee bringt. Seine Schwester, dargestellt von Emma Thompson, muss auf der Weihnachtsfeier ihres Gatten (Alan Rickman) erkennen, dass er einer Sekretärin (Heike Makatsch) schöne Augen macht. Die frisch verheiratete Keira Knightley entdeckt, dass der beste Freund ihres Mannes schon lange in sie verliebt ist. Zwei Pornostars brauchen trotz ihrer täglichen textilfreien Zweisamkeit vor der Kamera lange Zeit bis zum ersten "richtigen" Kuss. Ein Schriftsteller (Colin Firth) findet an seiner portugiesischen Haushälterin Gefallen, die kein Wort seiner Sprache versteht, und, und, und.</P><P>Um alle seine Handlungsstränge sinnvoll bis zum Ende erzählen können, erhöht Curtis zusehends das Tempo seines Films. Dadurch bleibt zu wenig Raum für eine ausgiebigere Charakterzeichnung. Viele Figuren werden zu reinen Stichwortgebern oder Gag-Zündern degradiert.</P><P>Da wird's dann schnell holprig in der Dramaturgie, und auch die ausnahmslos exzellent besetzten, großartigen Schauspieler können nicht mehr viel retten. Mal abgesehen vom großen Showdown an Heiligabend, der mit derart schmalzigen Streichern unterlegt ist, dass man ihn wohl nur nach Genuss einiger Liter Glühwein anheimelnd finden kann. (In München: Mathäser, Marmorhaus, Maxx, Royal, Gloria, Leopold, Cadillac, Rex, Arena, Autokino, Sendlinger Tor, Cinema i.O.)</P><P>"Tatsächlich . . . Liebe"<BR>mit Hugh Grant, Emma Thompson, Heike Makatsch<BR>Regie: Richard Curtis<BR>Annehmbar </P><P> </P>

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