Funny van Dannen sagt "Trotzdem Danke"

Hamburg/Berlin - Es gibt zwei Sorten von erfolgreichen Künstlern: die reichen Berühmten und jene, die auch nach Jahren einen vergleichsweise überschaubaren Fankreis besitzen. Zu Letzteren gehört Funny van Dannen - zu Unrecht, wie viele Kritiker meinen. "Ich bin kein Chartstürmer", sagt er selbst.

Zu kommerziellen Erfolgen hat er dafür anderen wie den Toten Hosen durchaus schon verholfen. Deren "Bayern"-Song etwa stammt aus van Dannens Feder. An diesem Freitag (3. August) bringt der Wahl-Berliner sein zehntes Album heraus. Das Leitthema von "Trotzdem Danke" ist die Enttäuschung. Diese wird aber im üblichen Stile van Dannens besungen: lustig, liebevoll und skurril.

Im Eröffnungssong "Sandra Bullock" etwa bedauert der 49-Jährige Musiker und Dichter, die Hollywood-Schauspielerin nicht geheiratet zu haben - "Film ist lange her, heute bin ich bei Hartz IV", heißt es im Text. Eine besondere Passion für Bullock hat van Dannen, der sich zu den meisten Stücken selbst auf der akustischen Gitarre begleitet, nicht: "Die Frau selbst finde ich zwar so ganz sympathisch als Schauspielerin. Es ist aber der Name an sich, der interessant für den Song ist", sagte er im Interview mit der dpa.

Eigentlich wolle er nun auch mal Schluss machen mit den Promi- Namen: "Ich hab ja schon etliche solcher Songs." Über Nana Mouskouri zum Beispiel und auf der neuen CD einen über "Ellen Arnold". Die Doppelgängerin der "Tagesschau"-Sprecherin macht in Schlangenlederstiefeln, bewaffnet mit goldenem Colt, Jagd auf Autofahrer. Solche Absurditäten muss man in den Liedern von Funny van Dannen nicht lange suchen: "Gasprom" handelt von einem gleichnamigen Hund, der den Sänger immer wieder daran erinnert, "wie abhängig wir von Russland sind".

Manchmal ist es schwierig, bei van Dannen die Grenze zwischen Ernsthaftigkeit und Humor zu erkennen. "Das verschwimmt manchmal ganz natürlich, weil Komik, Unzufriedenheit und Ärger bei mir oft nahe beieinander liegen", erklärt van Dannen, der 1958 in Tüddern nahe der niederländischen Grenze geboren wurde. Und ärgern könne er sich im Alltag über vieles. "Man braucht ja eigentlich nur vor die Tür zu gehen - und manchmal ist nicht mal das nötig."

Die Enttäuschung ist van Dannens Thema: "Das war aber auch früher schon so. Ich habe zum Beispiel mal einen Song gemacht, der hieß "Ich bin enttäuscht vom Leben"." Enttäuscht ist van Dannen von gesellschaftlichen Entwicklungen. "Dass zum Beispiel die Schere zwischen Arm und Reich mal so auseinanderklaffen würde, hätte ich mir in meiner Jugend nicht träumen lassen."

Genervt ist der vierfache Vater van Dannen auch von der "neuen Mütterlichkeit im Lande". "Mütter", wirft er im gleichnamigen Song vor, sorgten dafür, dass immer schön alles beim Alten bleibt. "Das ist schon auch ernst gemeint." Ihn störe, dass Frauen, die keine Kinder haben, sich schon seltsam vorkommen. Gegen Kinder habe er nichts. "Ich habe nur etwas gegen die Art und Weise, wie Kinder auch dazu benutzt werden, das eigene Leben aufzuwerten oder eine gewisse Leere aufzufüllen. Wenn man dazu Kinder braucht, ist das schon armselig genug."

Ein Motzki ist er aber nicht. Die den Deutschen häufig nachgesagte Nörgelei nimmt er in seinem Song "Kaputt" auf die Schippe: "Oh kaputt ist diese Welt/alles teuer/wenig Geld". Viele Lieder van Dannens zeichnen sich durch schräge Wendungen aus: Das gilt für "Zubehör für Whirlpools" ebenso wie für "Oma" - Großmutter, so stellt sich im letzten Stück der CD heraus, war einst ein Pornostar.

Seine Ideen bezieht er aus dem "alltäglichen Wahnsinn". Früher habe er Beobachtungen notiert. "Das fand ich nach einer Weile eklig. Ich hatte das Gefühl, den Alltag regelrecht zu verwerten." Das macht van Dannen und seine Songs liebenswert: Bei aller Kritik ist er nicht zynisch, und er vermeidet es, von oben herab auf die Objekte seiner Betrachtungen zu blicken.

www.funny-van-dannen.de

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