Furie par excellence

- "Contrasts" ist der Titel der neuen CD von Aziza Mustafa Zadeh. Eine CD, die nicht im Handel erhältlich ist, sondern für die die aserbaidschanische Pianistin und Sängerin eine besondere Verkaufsphilosophie entwickelt hat: Sie will sie nur ihrem Publikum bei den Live-Konzerten anbieten. So geschehen auch im Prinzregententheater, wo Aziza Mustafa Zadeh im Rahmen des Münchner Klaviersommers ihr neues CD-Programm präsentierte.

Beeindruckend auch diesmal der Anblick der oft als "Prinzessin des Jazz" bezeichneten Aziza, ein Stillleben der besonderen Art. Im eleganten schwarzen Abendkleid vor dem Steinway sitzend, umhüllt von ihrem bis an die Hüften reichenden Haar - eine Mischung aus heiliger Madonna und Rapunzel, dahinter ein Notenpult mit einem Glas Wasser. Doch hinter dieser fragil-kapriziösen, fast ätherisch-durchgeistigten Erscheinung steckt eine ungeheure Kraft, die sich in ihrem energischen, oftmals staccato-artigen und teils sehr harten Griff in die Tastatur des Flügels entlädt.

Ebenso kontrastreich und fulminant wie ihre fließenden Klavierläufe ist die persönliche Gesangstechnik der klassisch ausgebildeten Musikerin. Auch ihr neues Programm ist eine Mischung aus Klassik, Jazz und traditioneller aserbaidschanischer Improvisationsmusik.

Ihre von Kindheit an bestehende Bach-Sucht offenbart sich temporeich in "Bachmania", melancholisch reflektiert sie in "The last day of Chopin" über dessen letzte Stunden. Pergolesi, Verdi und Gershwin stehen unter anderem auf dem Programm, und immer wieder benutzt sie mit ihrem Scat-Gesang ihre Stimme facettenreich als Improvisationsinstrument, endet dabei oft in Vokallinien aus dem Fernen Osten. Als "Gothic Jazz" kündigt sie Händel an, singt dann allerdings eng am Original bleibend "Ombra ma fu" aus seiner Oper "Xerxes".

Sonderklasse hatte ihre Version der Rachearie der Königin der Nacht aus Mozarts "Zauberflöte": sich selbst mit donnerndem Klavierspiel in Ekstase bringend, stimmgewaltig und koloraturensicher. Eine Furie par excellence. Am Ende Standing Ovations.

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