Die Furien sind müde

- "Ich mag nicht, wenn du schauspielerst." Brandy holt mit diesen Worten ihre theatralisch eifersuchtsrasende Mutter wieder auf den Teppich: in Edna O'Briens Drei-Frauen-Stück "Ein Triptychon", das am Samstagabend im Münchner Marstall (Bayerisches Staatsschauspiel) Premiere/deutsche Erstaufführung hatte. Mama bleibt natürlich nicht lange auf demselben, sondern gibt weiter die Furie. Aber immer Woody-Allen-mäßig intellektuell abgetönt, nur nicht so pointenreich witzig und überdreht.

<P>Diese gepflegte Abtönung ließ auch Regisseur Harald Clemen hingehen, unternahm nicht den Versuch, Tempo, Sarkasmus und Doppelbödigkeit - immerhin spielt das Ganze im Theatermilieu mit Schauspielerin, Ex-Naiver und Stückeschreiber - aus dem Text herauszukitzeln. </P><P>Selbst das gleichzeitige Präsentsein der Frauen, das Titel und Szenenanweisungen fordern, verläppert bei ihm. Nur am Anfang, wenn sie aufgereiht auf ihren Stühlen sitzen und die Spannung vor dem Kampf um den Mann fühlbar wird, oder später, wenn sie singen, insbesondere im Kanon, bekommt das Triptychon ansatzweise Form. Denn die Trias verweigert auch Ausstatterin Kazuko Watanabe mit einer langen Diagonale für Mutter und Tochter sowie der davor gerückten Garderobe der Schauspielerin und Geliebten Clarissa. Ansonsten wird vor allem Kostümschau betrieben.</P><P>Das Darsteller-Futter für drei Bühnenpersönlichkeiten nahmen nur Krista Posch als Ehefrau Pauline und als ihre Tochter Brandy Lena Dörrie an. Sie entwickelte ihre - die kleinste - Rolle am authentischsten und deswegen am intensivsten, "schauspielerte" nicht. Dörrie schaffte es, dass man gern mehr wüsste von diesem klugen, starken Mädchen aus gutem Haus. </P><P>Krista Posch - nach langer Zeit wieder zurück am Staatsschauspiel - "schauspielerte" schon mehr, aber auf versiertem Niveau, strebte immer die ironische Brechung des Theaterhaften ihrer Figur an. Ihr fehlte indes die helfende Hand des Regisseurs und noch viel, viel mehr der richtige Widerpart. An der unsicheren Anna Riedl, die mit Clarissa eigentlich die schillerndste Rolle bekommen hat, arbeitete sie sich erfolglos ab, denn die bot keinen Widerstand, keinen Ansatzpunkt. Clarissa blieb eine nette junge Frau.</P><P>Am Schluss werden die Damen von Henry erlöst: durch eine ferne irische Nixe, die den Schwerenöter Henry in die wilde See lockt. Eine der übrigens vielen literarischen Verzierungen, mit denen Edna O'Brien ihr Stück aufg'mascherlt hat. Freundlicher Beifall.</P>

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