Signalstörung: Verzögerungen auf der Stammstrecke

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Furioser Todestanz

- Die BR-Symphoniker sitzen ganz vorn auf der Stuhlkante und spielen auch so. Denn Mariss Jansons Vulkan gespeiste Energie reißt sie ein ums andere Mal mit, treibt sie zu jenen musikantischen Höhen, die ihrer Klasse würdig sind. Auch am Donnerstagabend im Münchner Herkulessaal ließen Orchester und Dirigent ihrem Publikum wieder einmal kaum Zeit, Atem zu schöpfen, weil sie sowohl Sibelius' erste Symphonie als auch Bartóks "Wunderbaren Mandarin" mit selbst am Hörer zehrender Intensität aufluden. Erschöpft und doch beflügelt verlässt man Jansons Konzerte, in denen so leidenschaftlich und uneitel Musik gemacht wird.

Schon im Kopfsatz von Sibelius' Erster faszinierten die Kontraste: die wundersame, von der Pauke unterlegte Klarinetten-Kantilene, die von opernhaft-dramatischem Aufbäumen abgelöst wurde, oder die harmonisch kühnen Überleitungen, die im Süffigen ertränkt wurden. Jansons türmte die Klänge effektvoll, ohne Furcht vor Trivialitäten. Auch die Ruhe des Andante mit den choralartigen Holz-Einsprengseln fegten die Streicher hinweg. Sturm und Besänftigung - zuweilen märchenhaft oder folkloristisch anmutend - durchzogen das reich beladene Werk, und am Schluss, als der Klang sämig breit strömt, freute sich der neue Chef ganz augenscheinlich.<BR><BR>Bevor der Mandarin seinen furiosen (Todes-)Tanz - als plastisch-gestisches, aber rein musikalisches, grell-brutales Spektakel - hinlegen durfte, lieferten Jansons und das BR-Symphonieorchester dem superben Frank Peter Zimmermann die rechte Ummantelung für Max Bruchs Violinkonzert: mal nur den Gazeschleier, dann wieder den üppigen Faltenwurf.<BR><BR>Auch der makellos intonierende Zimmermann besaß die Inbrunst für den großen romantischen Ausdruck und das Feuer für die virtuosen Herausforderungen im Finale, dem er als Zugabe eine Paganini'sche Zirkusnummer folgen ließ. Zum großen Spaß des Publikums, das Solist, Orchester und Mariss Jansons heftig feierte. <BR>

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