Schlimme Diagnose für Markus Maria Profitlich: „Will Erkrankung nicht verbergen“

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Kent Nagano peitschte bei den Opernfestspielen sein Orchester durch die „Walküre“.

Opernfestspiele

Vom Furor angesteckt

München - Kent Nagano peitschte bei den Opernfestspielen sein Orchester durch die „Walküre“.

Da flog die Mähne des Chefs wie die der schnaubenden Ross-Maiden auf der Bühne. Doch während ihr „endloses“ Gestampfe wieder mit heftigen Buhs quittiert wurde, steigerte sich der Beifall für den Gerade-Noch-Chef Kent Nagano und die Sänger zu ebenso lautstarken Ovationen: zumindest am Ende der „Walküre“, mit der sich am Sonntag in einer ausverkauften Festspielaufführung Wagner gegen Verdi behauptete.

Dies vor allem mit hochschnellenden Dezibel-Zahlen. Denn Nagano ließ sich vom ungebärdigen Furor der Walküren anstecken und peitschte das Staatsorchester so wild und ungestüm, dass schon im Vorspiel Furcht um die Sänger aufkeimte. Zu Recht, wie sich im Verlauf des Abends zeigte. Doch nicht nur in Sachen Lautstärke überreizte der Dirigent, auch in der Wahl der Tempi verschliss er bei extremer Dehnung die Atemreserven der hochkarätigen Bühnen-Crew. Zwischen den Extremen „zu laut“ und „zu langsam“ schleppte sich die Spannung (vor allem im ersten Akt) oft nur dahin. Dennoch ließen Holzbläser oder ein inbrünstiges Cello-Solo aufhorchen, und schließlich knisterte es auch in den Dialogen – vor allem in der heftigen Auseinandersetzung zwischen Wotan und Fricka. Bryn Terfel und Sophie Koch brillierten als Götter-Paar: Er mit imponierendem, virilem, alle Klang-Wogen schnittig durchpflügendem Bariton, den er bis zum Flüstern dimmen kann. Sie mit auftrumpfender, vokaler Geste – bei gleichzeitig ruhigem Stimmstrom. Auch darstellerisch harmonierten die moralstrenge, verletzte Gattin und der seine Zerrissenheit in jeder Geste offenbarende Götter-Gatte vorzüglich.

Als eherner Hunding-Koloss schürfte Hans-Peter König höchst erfolgreich nach Erz-Tönen und pochte als Finsterling auf sein Hausrecht – das an der Frau inklusive. Doch vergebens: Simon O’Neills heller, höhensicherer, gut kanalisierter Tenor (Siegmund) weitete sich zunehmend, öffnete dem Lenz die Tore und ließ das Wälsungenblut wallen – trotz hilfloser Operngestik. Neben ihm agierte Petra Lang als aufgewühlte Sieglinde, die – war die Höhe erst einmal erreicht – dort mit Leuchtkraft überraschte. Diese versöhnte mit einer unschönen Ton-Schiebe-Technik. Katarina Dalayman war wie in der Premiere eine verlässliche Brünnhilde, die in der Todverkündigung und im Abschied vom Vater – den überzeugendsten Szenen der Kriegenburg-Inszenierung – Stärke und Ausdrucksintensität offenbarte.

von Gabriele Luster

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