Der Fußball und die Frauen

München - Der Violinvirtuose Nigel Kennedy (51) hat sich den Ruf des Enfant Terrible der E-Musik-Szene erworben, weil er nicht nur leidenschaftlich der Klassik, sondern auch Jazz, Rock und Folkmusik nachgeht.

Beim Interview präsentiert sich der Brite ansteckend gut gelaunt. Er flucht oft und verputzt während des Gesprächs mehrere Sandwiches. Es ist im Grunde unmöglich, Kennedy nicht sofort zu mögen. Am 28. Juni tritt er in der Münchner Philharmonie auf.

-Auffallend ist, dass heute die großen Violinstars weiblich sind. Woran liegt das?

Der letzte große männliche Geiger war wohl Yehudi Menuhin, stimmt.

-Wieso also sind heute alle großen Geiger weiblich?

Viele glauben wohl, dass die Violine ein feminines Instrument ist, was weiß ich. Vielleicht ist es auch einfacher, Frauen zu vermarkten. Seien wir ehrlich: Viktoria Mullova auf dem Cover sieht einfach besser aus als ich.

-Sie scheinen ohnehin immer noch das Etikett des Außenseiters zu haben. Stört Sie das?

Ich finde es gut, ein Außenseiter zu sein. Als "Insider" ist man in seiner Wahrnehmung zwangsläufig limitiert. Ich will gar nicht zur "Jazz-Szene" gehören oder zur "Rock"- oder "Klassik"-Szene. Wenn man von außen kommt, behält man einen ungetrübten Blick.

-Sie könnten es sich einfacher machen, den üblichen Kanon aufnehmen und sich als Virtuose feiern lassen. Warum tun Sie das nicht?

Ich mag den Gedanken, dass ich nie weiß, was hinter der nächsten Ecke auf mich wartet. Wenn man immer dasselbe macht, besteht die Gefahr, in Routine zu versumpfen. Etwas Neues, Frisches zu entdecken, das hält einen als Musiker am Leben. Deswegen mag ich auch keine Nachbearbeitung bei Aufnahmen. Ich schneide "live" mit. Und wenn es beim dritten oder vierten Anlauf nicht funktioniert, lasse ich es eben. Musik ist nur gut, wenn sie ehrlich ist. Sobald man anfängt, daran herumzupfuschen - das geht heute ja alles ­, ist die Magie weg.

-Bislang haben Sie Beethoven und Mozart eher gemieden. Erst jetzt haben Sie eine CD mit den beiden veröffentlicht. Wie kommt das?

Was soll ich sagen, Mann. Mozart, ich konnte ihn nicht leiden. Ich hielt ihn für oberflächlich. Es hat einige Zeit gedauert, bis ich begriffen habe, dass das ein dummes Vorurteil ist. Beethoven hingegen fand ich immer schon großartig, sehr tief und komplex. Aber ich bin ein wenig davor zurückgeschreckt. Manche Dinge brauchen eben ihre Zeit.

-Sie haben eine selbst komponierte Kadenz eingebaut, die ziemlich wild klingt. . .

Beethoven hätte meine Improvisation bestimmt gefallen. Ich befasse mich nur drei Monate im Jahr mit klassischer Musik. Den Rest experimentiere ich, und ich denke, dass meine klassischen Einspielungen dadurch gewinnen.

-Wie würden Sie das Publikum beschreiben, das sich dafür interessiert?

Es sind Leute, die Musik mögen. Ich bin einfach ein normaler Typ, und die Leute wissen das. Also kommen sie zu den Konzerten, weil es keine Schwellenangst gibt. Klassische Musik und gute Laune schließen sich nicht aus.

-Ihre neue CD haben Sie mit dem Polnischen Kammermusik-Orchester eingespielt; und generell haben Sie eine Schwäche für Musik aus Osteuropa.

Ich liebe die osteuropäische Musik, weil sie ursprünglich ist. In der Musik lebt ein gewisser anarchischer Geist fort, der von Generation zu Generation vererbt wird. Sie heißen Zoran, ist das nicht ein Name vom Balkan?

-Ja.

Ziveli! (serbokroatisch für "Prost".)

-Es gibt einen alten Hit aus Ex-Jugoslawien, in dem es heißt: Die Liebe geht, das Glück und deine Freunde, aber die Musik, die bleibt.

Absolut. Natürlich ist es besser, wenn man die Frau halten kann. Und deinen Fußballverein natürlich. Bei mir ist das Aston Villa. Meine Lieblingsmusiker wechseln, vielleicht meine Frauen, aber der Verein bleibt. Was ist Ihr Verein?

-1860 München

Also der richtige Münchner Verein! Aber bei denen läuft es momentan nicht so, oder?

-Man leidet mit ihnen.

Das muss so sein. Aber Bayern hat jetzt einen Super-Spieler, den ich bewundere. Ein Franzose. . .

-Franck Ribéry.

Franck Ribéry! Der ist großartig! Mein Gott, meine Agentin wird nervös, sehen Sie das?

-Dann beenden wir das Interview wohl besser.

Ach was, jetzt wo wir über die wirklich wichtigen Sachen reden: Fußball und Frauen. . .

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